Matthäus: Messi eine kleine Stufe über Maradona
Matthäus: Messi eine kleine Stufe über Maradona

Lothar Matthäus (65) hat Lionel Messi in einer WM-Kolumne als „eine kleine Stufe über Maradona“ eingestuft. Der Rekordnationalspieler erinnert sich an die erste Begegnung mit Messi im Jahr 2005 und vergleicht die beiden argentinischen Fußballgrößen. Matthäus betont Messis Beständigkeit, Skandalfreiheit und seine beeindruckende Titelsammlung.

Erste Begegnung mit Messi 2005

An seine erste Begegnung mit Lionel Messi erinnert sich Matthäus sehr gut. Es war am 17. August 2005 in Budapest, als Ungarn in einem Freundschaftsspiel auf Argentinien traf. Matthäus war damals Nationaltrainer Ungarns. Argentinien gewann 2:1, mit Stars wie Hernan Crespo, Roberto Ayala und Juan Pablo Sorin. Lionel Scaloni, der heutige argentinische Nationaltrainer, spielte als rechter Verteidiger. Doch alle sprachen vorher nur über den Wunderjungen vom FC Barcelona, der sein Länderspiel-Debüt geben sollte. Nach gut einer Stunde wurde Messi eingewechselt, 18 Jahre jung, und legte los mit allem, was er an Sturm und Drang draufhatte. Erster Ballkontakt, Dribbling, einer von Matthäus' Spielern konnte ihn nur noch festhalten, Messi schlug nach hinten – Tätlichkeit! Dafür sah er glatt Rot vom deutschen Schiedsrichter Dr. Markus Merk. So war Messis erstes Länderspiel nach vielleicht dreißig, vierzig Sekunden beendet. Aber es war der Beginn einer gigantischen internationalen Karriere.

Messi vs. Maradona: Ein Vergleich

Immer ist Messi mit Diego Maradona verglichen und an ihm gemessen worden. An Argentiniens 2020 viel zu früh verstorbenem Nationalhelden, an Matthäus' großem Rivalen und Freund. Zweifellos werden die Argentinier Diego für alle Zeiten wie einen Gott verehren. Aber Messi ist jetzt direkt neben ihm in ihren Herzen. Für Matthäus steht Messi inzwischen sogar eine kleine Stufe über Maradona. So wie Diego es war, ist Messi ein Genie, das den Weltfußball prägt. Maradona hat das knapp über ein Jahrzehnt geschafft, jedoch auch begleitet von Skandalen und unterbrochen von zwei langen Doping-Sperren. Diego hat leider viele Dinge gemacht, die seiner Gesundheit nicht gutgetan haben. Messi ist anders, bodenständiger, so gut wie skandalfrei – von Problemen mit der Steuer vor zehn Jahren einmal abgesehen. Seit unglaublichen zwanzig Jahren spielt Lionel Messi auf diesem allerhöchsten Niveau. Einzigartig ist das und absolute Weltklasse! Er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, für Argentinien und im Klub-Fußball. Weltmeister, achtmal Weltfußballer, so oft wie kein Zweiter. Viermal Champions-League-Sieger mit Barcelona. Im WM-Finale 2022 hat er Matthäus' Weltrekord mit den meisten WM-Einsätzen abgenommen. Matthäus war im Stadion dabei und hat sich für ihn gefreut. Nun hat Messi auch Miroslav Klose den Weltrekord der meisten WM-Tore abgejagt.

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Messis Leidenschaft und Eleganz

Mit dem WM-Titel in Katar war Messis Karriere eigentlich vollendet; nur dieser wertvollste Pokal hatte ihm noch gefehlt, nicht zuletzt für die uneingeschränkte Anerkennung in seiner Heimat. Aber er will – und kann offenbar auch – immer noch mehr. Erst im Dezember gewann er mit Miami die US-Meisterschaft. Und bei dieser WM wirkt er auf Matthäus nicht so, als wäre das Ende seiner Laufbahn nah. Es sind aber nicht seine Titel und Rekorde, von denen er einige mehr hat als Maradona, die Matthäus an Lionel Messi faszinieren. Ihn begeistert, mit welcher Leidenschaft, Freude und Eleganz er auch mit 39 Jahren noch Fußball spielt. Zaubert, ist das bessere Wort! Er läuft nicht wirklich viel; auch für Maradona mussten seine Mitspieler mitlaufen. Aber am Ball wird's meistens spektakulär. Mit seiner Genialität, mit seiner Leichtigkeit reißt er alle mit. Messi hat etwas, das in der Geschichte des Fußballs nur sehr wenige hatten. Er liebt den Ball – und der Ball liebt Messi. Wie er ihn streichelt! Dieses Feingefühl, diese Technik! Ihm gehorcht der Ball.

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Persönliche Begegnungen und Freundschaft mit Maradona

Matthäus erinnert sich auch an die erste Begegnung mit Maradona am 24. März 1982, drei Tage nach seinem 21. Geburtstag. In Buenos Aires gelang es ihm, Diego auszuschalten. Es war das erste von vielen Spielen gegeneinander, ob mit den Nationalmannschaften oder später mit Inter Mailand gegen Neapel. Trotz aller Rivalität und allen Ehrgeizes waren es stets faire Duelle, und daraus entwickelte sich über die Jahre ihre Freundschaft. Als Maradona 1992 nach seiner ersten langen Sperre zurückkehrte und beim FC Sevilla landete, wünschte er sich zum Einstand ein Freundschaftsspiel gegen „meinen Freund Lothar und seine Bayern“, wie er damals sagte. Zum Glück nahm Uli Hoeneß das Angebot an. Sie flogen hin, hatten ein wunderbares Spiel und danach auch eine wunderbare Party-Nacht. Denn genial feiern konnte Diego auch! Viele Jahre später lief er bei Matthäus' Abschiedsspiel auf und Matthäus bei seinem.

Gemeinsame Erinnerungen auf dem Platz

Genau ein einziges Mal haben sie sogar zusammen in einer Mannschaft gespielt. Zum Abschiedsspiel von Michel Platini 1988 in Nancy hatte Trainer Giovanni Trapattoni eine Weltauswahl zusammengestellt, unter anderem mit Maradona und Matthäus. Diego spielte in der Partie einen Steilpass in die Tiefe, fast so, wie 1986 im WM-Finale zum entscheidenden 3:2 von Jorge Burruchaga gegen die Deutschen. Nur, dass Matthäus diesmal der Burruchaga war und nach Maradonas Vorlage traf. Bei dem Pass trug Maradona Matthäus' Fußball-Schuhe, die er ihm lieh, weil er seine vergessen hatte. Jene Schuhe, die er mit seiner leichten Schnürung zurückgab, die Matthäus genauso ließ – und mit ihnen weiterspielte, bis ein Schuh in der ersten Halbzeit des WM-Finales 1990 kaputtging. Wegen des Schuhwechsels in der Pause fühlte er sich nicht sicher und überließ Andy Brehme den entscheidenden Elfmeter. Der Rest ist Geschichte. Maradonas argentinisches Nationaltrikot, das Matthäus mit ihm beim Finale 1986 tauschte, hat er der argentinischen Botschaft in Madrid zurückgegeben, weil er findet, dass es dem argentinischen Volk gehört. Sein Trikot vom WM-Finale 1990 hängt im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund. Frank Mill, der leider auch schon verstorben ist, hatte Matthäus damals gebeten, es für ihn von Diego zu holen.

Fazit: Messi als Inspiration

Lionel Messi spielen zu sehen, ist für Matthäus nicht nur ein fußballerischer Genuss. Es erinnert ihn jedes Mal auch an die großen Zeiten mit Diego Maradona. Matthäus schließt mit den Worten: „Messi liebt den Ball und der Ball liebt Messi.“