Nato bekommt neues fliegendes Auge: GlobalEye statt Boeing – Ärger mit Trump?
Nato bekommt GlobalEye: Neues fliegendes Auge – Ärger mit Trump?

Die Nato steht vor dem größten militärischen Investitionsprojekt seit Jahrzehnten: Das Bündnis beschafft eine neue Flotte von Überwachungsflugzeugen, die in Deutschland stationiert werden. Beim Nato-Gipfel in Ankara am kommenden Dienstag werden die Pläne offiziell verkündet. Die bisherigen Awacs-Flugzeuge (Airborne Warning and Control System) müssen ab 2030 ersetzt werden. Intern ist der Deal bereits abgesegnet, wie in Nato-Kreisen bestätigt wird.

GlobalEye statt Boeing: Der neue Überwachungsflieger

Anders als bisher wird das neue „fliegende Auge der Nato“ nicht mehr vom US-Hersteller Boeing geliefert, sondern vom kanadischen Hersteller Bombardier. Bombardier erhält den Auftrag für zehn bis zwölf Langstreckenflugzeuge vom Typ Global 6000 oder 6500. Das Aufklärungs- und Frühwarnsystem GlobalEye stammt vom schwedischen Rüstungskonzern Saab. Es übernimmt gleichzeitig Luft-, See- und Bodenüberwachungsaufgaben und stellt die Daten in Echtzeit auf einer Plattform bereit. GlobalEye kann sogar ohne Bordbediener arbeiten und streamt seine Daten an Bodenstationen. Hauptsensor ist das luftgestützte Frühwarnradar Erieye ER, das wie eine zehn Meter lange Skibox auf den Rumpf montiert wird und eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern haben soll. Ein Seeradar kann selbst auf langen Distanzen noch einen Jetski erkennen, versichert Hersteller Saab. Sämtliche Daten fließen in ein Kommando- und Kontrollzentrum an Bord, was GlobalEye zu einer fliegenden Gefechtszentrale macht und frühzeitige Reaktionen auf Bewegungen eines potenziellen Gegners ermöglicht. Die neuen Maschinen haben eine Reichweite von 11.000 Kilometern und können auch auf kleinen Flugplätzen landen.

Stationierung in Geilenkirchen und Kosten

Die neuen Flugzeuge werden im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen stationiert, wo derzeit 14 Awacs-Flugzeuge vom Typ Boeing E-3 Sentry zuhause sind, die zum Teil schon 40 Jahre in Betrieb sind. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind die Maschinen regelmäßig an der Nato-Ostgrenze unterwegs, um russische Verletzungen des Nato-Luftraums zu erkennen. Die Nato beschafft die GlobalEyes direkt – eine Ausnahme, denn in der Regel sind die Mitgliedstaaten für die militärische Ausrüstung zuständig. Der Kaufpreis jeder Maschine liegt zwischen 400 und 500 Millionen Euro und wird von einzelnen Mitgliedstaaten finanziert, darunter auch Deutschland.

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Deutschlands Interesse und der Pegasus-Deal

Für Deutschland ist der Deal hochwillkommen, nicht nur wegen der Stationierung in Geilenkirchen. Die Bundesregierung hat ein Interesse daran, dass Kanada bei Rüstungsgeschäften mit Europäern zum Zuge kommt – denn umgekehrt wirbt sie in Kanada für den Kauf von deutsch-norwegischen U-Booten der Klasse 212 CD. Zudem greift die Bundeswehr bei einer wichtigen Rüstungsinvestition ebenfalls auf Bombardier 6000 zurück: für drei neue Spionageflugzeuge, die als deutscher Beitrag zu den Nato-Fähigkeiten eigentlich schon für 2025 zugesagt waren. In die bereits ausgelieferten Maschinen wird das neue luftgestützte Aufklärungssystem Pegasus (Persistent German Airborne Surveillance System) integriert, das ab 2027 die Bundeswehr in die Lage versetzen soll, militärische Funkverkehre und Radaremissionen aus großer Entfernung zu erfassen. Das Kernstück kommt vom deutschen Rüstungskonzern Hensoldt.

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Politische Brisanz: Trump könnte verärgert sein

Dass die Nato den GlobalEye-Deal ausgerechnet beim Nato-Gipfel in Ankara verkündet, geht auf Nato-Generalsekretär Mark Rutte zurück. Er will das Milliardenprojekt als Beleg für die Stärkung des europäischen Pfeilers der Nato präsentieren. Ein „stärkeres Europa für eine stärkere Nato“ ist das Leitmotiv des Gipfeltreffens. Es wird nicht ausgeschlossen, dass US-Präsident Donald Trump wieder einen Eklat provozieren könnte. Durchaus möglich, dass Trump die Entscheidung gegen Boeing als Affront wertet. Allerdings war es die US-Regierung selbst, die den Europäern den entscheidenden Impuls gegeben hatte. Vor drei Jahren hatten die Nato-Staaten bereits beschlossen, für die Awacs-Nachfolge Flugzeuge von Boeing (E-7A Wedgetail) zu bestellen. Im Juli vorigen Jahres kam die Kehrtwende: Das US-Verteidigungsministerium stoppte seinen Auftrag an Boeing mit der Begründung, dass viele Aufklärungsaufgaben künftig von Satelliten übernommen werden könnten. Zugleich gab Washington bekannt, es werde sich in der Nato aus der Finanzierung der Awacs-Nachfolge zurückziehen. Für die 31 anderen Nato-Staaten war das Anlass genug, das gesamte Projekt neu auszuschreiben – mitten in der von Trump ausgelösten Grönland-Krise. Diesmal machte Bombardier das Rennen.

USA kommen bei anderen Verträgen zum Zug

Ironie der Geschichte: Mittlerweile hat das Pentagon seine Position geändert und nun doch einen Vertrag in Milliardenhöhe zur Beschaffung von Boeings E-7A Wedgetail geschlossen. Wenn der GlobalEye-Deal nächste Woche in Ankara bei einem Industrieforum zum Auftakt des Nato-Gipfels bekanntgegeben wird, sollen die USA an anderer Stelle zum Zuge kommen. Die europäischen Nato-Staaten wollen Trump demonstrieren, dass die Aufstockung ihrer Verteidigungshaushalte zügig zur Aufrüstung führt, auch mit amerikanischen Waffen. Es werde in Ankara, heißt es im Vorfeld, „viele Verträge mit den USA geben.“