Der NATO-Gipfel in Ankara ist vorbei – und anders als viele erwartet hatten, blieb die große Eskalation aus. Statt neuer Spannungen zwischen Donald Trump und den europäischen Partnern sendete das Bündnis überraschend geschlossene Signale. Die Ukraine soll weitere Milliardenhilfen erhalten. Außerdem stellte Donald Trump erstmals eine Lizenzproduktion von Patriot-Abfangraketen in Aussicht.
Geschlossene Front und neue Zusagen
Militär- und Sicherheitsexperte Dr. Gustav Gressel von der Landesverteidigungsakademie des österreichischen Bundesheeres ordnet die Ergebnisse ein: „Der Gipfel hat gezeigt, dass die NATO trotz interner Differenzen handlungsfähig ist. Die zugesagten Milliardenhilfen sind ein starkes Signal an Kiew und Moskau.“ Die konkreten Summen wurden nicht genannt, aber es handelt sich um ein Paket, das sowohl militärische als auch finanzielle Unterstützung umfasst.
Besonders bemerkenswert ist die Ankündigung Trumps, eine Lizenzproduktion von Patriot-Abfangraketen zu ermöglichen. Gressel betont: „Das wäre ein Game-Changer, denn die Ukraine leidet akut unter einem Mangel an Luftverteidigung. Allerdings wird es Monate dauern, bis die Produktion hochgefahren ist.“
Patriot-Systeme: Hilfe mit Verzögerung?
Moderne Luftverteidigung ist laut Gressel zum größten Problem der Ukraine geworden. „Russland setzt verstärkt Marschflugkörper und Drohnen ein, die die ukrainische Infrastruktur zerstören. Patriot-Systeme sind dringend nötig, aber die Lieferung und Produktion brauchen Zeit.“
Der Experte warnt vor zu hohen Erwartungen: „Selbst wenn die Lizenzproduktion beschlossen wird, vergehen mindestens sechs bis zwölf Monate, bis die ersten Systeme einsatzbereit sind. Bis dahin muss die Ukraine mit den vorhandenen Mitteln auskommen.“
Putins Strategie gerät unter Druck
Der Gipfel sei auch ein Rückschlag für Moskau, so Gressel. „Putin hat auf eine Spaltung der NATO gesetzt, aber genau das Gegenteil ist eingetreten. Die Geschlossenheit des Bündnisses schwächt seine Verhandlungsposition.“ Zudem zeige die russische Armee zunehmend Schwächen: „Die Verluste sind hoch, die Moral sinkt. Der Kreml hat Mühe, die Kriegsbegeisterung aufrechtzuerhalten.“
Gressel verweist auf Geheimdienstberichte, wonach Russland Schwierigkeiten hat, seine Truppen mit moderner Ausrüstung zu versorgen. „Die Sanktionen wirken, auch wenn es länger dauert als erhofft.“
Europa zwischen Trump, Iran und Hormus
Neben der Ukraine stand auch die Eskalation zwischen den USA und dem Iran auf der Agenda. Während des Gipfels kam es zu neuen US-Luftangriffen auf iranische Stellungen. Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt, rückte in den Fokus. „Europa muss sich fragen, ob es weiterhin auf die USA angewiesen sein will oder eigene Sicherheitsstrukturen aufbaut“, sagt Gressel.
Die Rolle Europas sei nach dem Gipfel klarer: „Die Europäer müssen mehr Verantwortung übernehmen, sowohl in der Ukraine als auch im Nahen Osten. Trump bleibt ein Unsicherheitsfaktor, auch wenn er diesmal kooperativ war.“
Europas Rolle in der neuen Sicherheitsordnung
Der NATO-Gipfel in Ankara markiert laut Gressel einen Wendepunkt. „Die NATO hat gezeigt, dass sie sich anpassen kann. Aber Europa muss jetzt handeln, sonst wird es von den USA und Russland überrollt.“ Die Diskussion um eine europäische Sicherheitsarchitektur werde an Fahrt gewinnen, so der Experte.
Abschließend betont Gressel: „Die Ukraine braucht nicht nur Waffen, sondern auch eine klare Perspektive. Der Gipfel hat Signale gesendet, aber die Umsetzung entscheidet über den Erfolg.“



