Vor dem Nato-Gipfel in Ankara sind viele türkische Reporter ohne Akkreditierung geblieben. Die Nato hat sich eigenen Angaben zufolge auf die Einschätzung des Gastgeberlandes verlassen. Reporter ohne Grenzen (ROG) hat den Ausschluss zahlreicher türkischer Journalisten vom Nato-Gipfel beklagt.
Oppositionelle Medien ausgeschlossen
Der Türkei-Vertreter von Reporter ohne Grenzen, Erol Önderoğlu, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass ein Großteil der türkischen Medien, darunter sehr bekannte Journalisten, keine Akkreditierung erhalten und damit vom Gipfel ausgeschlossen würden. Unter anderem teilten die oppositionelle Zeitung „Cumhuriyet“ sowie die oppositionellen Sender Sözcü und Halk TV mit, keine Akkreditierung erhalten zu haben. Die Gründe für die Entscheidung könne nicht genannt werden, heißt es demnach in der Absage.
Kritik an intransparentem Verfahren
Der Journalist Deniz Zeyrek schrieb auf X, er habe über zahlreiche Nato-Treffen und Gipfel berichtet, unter anderem über die in Washington und Brüssel – aber in seinem eigenen Land werde er nicht zugelassen. Dabei sei auffällig, dass der Regierung nahestehende Medien akkreditiert worden seien, unabhängige aber nicht. Önderoğlu kritisierte, das Akkreditierungsverfahren sei nicht nachvollziehbar, völlig intransparent, und es gebe keine Einspruchsmöglichkeit. „Wir fordern ein faires Vergabeverfahren.“
Nato beruft sich auf Gastgeberland
Die Nato erklärte auf X, sie verlasse sich bei Gipfeltreffen außerhalb des Hauptquartiers auf die Einschätzung des Gastgeberlandes hinsichtlich der Journalisten im eigenen Land, um den Zugang zum Veranstaltungsort zu gewährleisten. Man stehe mit den türkischen Behörden in Kontakt. „Es ist wichtig für die Nato, dass Medienvertreter persönlich an Großveranstaltungen teilnehmen können.“
Menschenrechtsorganisationen schlagen Alarm
Die Organisation Human Rights Watch (HRW) wirft der türkischen Regierung vor, die Antiterrorgesetze zu missbrauchen, um Menschen vor dem Nato-Gipfel mundtot zu machen. Dies widerspreche den Gründungswerten des Bündnisses, sagte Benjamin Ward, stellvertretender HRW-Direktor für Europa und Zentralasien. Bereits am Dienstag durchsuchten Sicherheitskräfte Medienberichten zufolge die Wohnungen von Gewerkschaftern, Anwälten und linken Aktivisten und nahmen mehr als 200 Menschen fest.



