Die Ukraine hat Belarus ultimativ aufgefordert, Signalverstärker abzubauen, die Russland für die Steuerung seiner Drohnenangriffe nutzt. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko reagierte darauf überraschend kleinlaut und signalisierte Gesprächsbereitschaft. Dies berichtet der SPIEGEL in einer Analyse von Ann-Dorit Boy und Oliver Imhof.
Hintergrund der Eskalation
Seit Wochen häufen sich ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ziele, die offenbar mithilfe von Signalverstärkern auf belarussischem Territorium gesteuert werden. Die Ukraine sieht darin eine direkte Beteiligung von Belarus am Krieg und drohte mit militärischen Konsequenzen, falls die Anlagen nicht entfernt werden. Lukaschenko, der bisher als treuer Verbündeter Putins galt, zeigte sich nun erstmals kompromissbereit.
Lukaschenkos Risiko
Der belarussische Präsident befindet sich in einer Zwickmühle: Ein Nachgeben gegenüber der Ukraine könnte ihn in Moskau in Ungnade fallen lassen. Russland ist auf die Signalverstärker angewiesen, um seine Drohnenangriffe effektiv zu koordinieren. Experten sehen in Lukaschenkos Reaktion einen Versuch, eine militärische Eskalation zu vermeiden, die Belarus direkt in den Krieg ziehen könnte.
„Lukaschenko weiß, dass eine direkte Konfrontation mit der Ukraine für Belarus katastrophale Folgen hätte“, zitiert der SPIEGEL einen Analysten. „Gleichzeitig kann er es sich nicht leisten, Putin vor den Kopf zu stoßen.“
Reaktionen aus Moskau
Bislang hat der Kreml nicht offiziell auf Lukaschenkos Äußerungen reagiert. Insidern zufolge herrscht in Moskau jedoch Unmut über die scheinbare Nachgiebigkeit des Verbündeten. Sollte Belarus tatsächlich die Signalverstärker abbauen, könnte Russland gezwungen sein, seine Drohnenstrategie zu überdenken.
Ausblick
Die kommenden Tage werden zeigen, ob Lukaschenko sein Einlenken in konkrete Schritte umsetzt. Die Ukraine hat angekündigt, die Entwicklung genau zu beobachten und bei Nichterfüllung der Forderungen weitere Maßnahmen zu ergreifen. Eine diplomatische Lösung scheint möglich, doch der Druck auf den belarussischen Machthaber wächst.



