Polen entzieht Selenskyj Orden: Tusk mahnt zur Ruhe im Streit
Orden entzogen: Tusk mahnt Polen und Ukraine zur Ruhe

Im Streit zwischen Polen und der Ukraine über die Aberkennung eines Ordens hat der polnische Ministerpräsident Donald Tusk zur Besonnenheit aufgerufen. Es sei die Aufgabe des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und des polnischen Staatsoberhaupts Karol Nawrocki, die Gemüter zu beruhigen, statt Spannungen zu schüren, sagte Tusk. Nawrocki hatte Selenskyj den höchsten Orden Polens entzogen, nachdem dieser eine ukrainische Armeeeinheit nach der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) benannt hatte. Dies sorgt in Polen für Empörung, da UPA-Nationalisten im Zweiten Weltkrieg Massaker an Polen verübten.

Hintergrund des Ordensstreits

Selenskyj hatte die höchste Auszeichnung Polens, den Orden des Weißen Adlers, im Jahr 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda verliehen bekommen, um die Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine angesichts der russischen Aggression zu unterstreichen. Der Streit eskalierte Ende Mai, als Selenskyj einer Armee-Einheit den Beinamen „Helden der UPA“ verlieh. Kiew ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee, weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges hatten die Bewaffneten jedoch Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen Westukraine verübt.

Reaktionen aus Kiew

Der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow verzichtete daraufhin auf das Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, mit dem er im vergangenen Jahr ausgezeichnet worden war. Er sprach von einer unfreundlichen Geste Nawrockis gegenüber dem ukrainischen Volk und einem Geschenk an den Aggressor Russland. Auch der ukrainische Außenminister Sybiha kündigte die Rückgabe einer Auszeichnung an.

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Russische Angriffe auf Charkiw

Bei einem russischen Luftangriff auf die Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine ist ein Mensch getötet worden. Unter den Trümmern eines zerstörten Wohngebäudes wurde eine Leiche entdeckt, teilte Bürgermeister Ihor Terechow mit. Neun Menschen wurden nach Angaben von Regionalgouverneur Oleh Synehubow verletzt. In der Region Cherson im Süden der Ukraine wurde eine 72-jährige Frau bei einem Drohnenangriff verletzt, drei weitere Menschen erlitten Verletzungen.

Weitere militärische Entwicklungen

Das ukrainische Militär hat Eisenbahnbrücken auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim angegriffen. Die Brücken in den Gebieten Rosdolne und Wladyslawiwka würden von russischen Truppen für Militärtransporte genutzt, teilte der Generalstab mit. Ziel ist es, die Logistik Moskaus zu stören. Zudem meldet die Ukraine Angriffe auf den Hafen von Mariupol, um die Versorgung russischer Truppen zu behindern.

Polen fordert Platz am Verhandlungstisch

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski kritisierte die Führungsrolle von Deutschland, Frankreich und Großbritannien bei den Gesprächen zum Ukraine-Krieg. „Zwischen dem Schwarzen Meer, der Ostsee und der Adria leben 120 Millionen Menschen in der EU, die von Russlands Aggression viel direkter bedroht sind als Deutschland“, sagte er. Polen fordere daher einen Platz am Verhandlungstisch. Bundeskanzler Friedrich Merz lud die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen zu einem E5-Treffen nach Berlin ein.

EU-Ratspräsident verteidigt Russland-Kontakte

EU-Ratspräsident António Costa verteidigte die Aufnahme diplomatischer Kontakte mit Moskau. „Wir müssen in der Lage sein, unsere eigenen Botschaften direkt an Russland zu übermitteln“, sagte er. Auf dem EU-Gipfel hatten sich insbesondere Bundeskanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron über den Vorstoß beschwert, während andere Mitgliedstaaten die Initiative begrüßten.

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