Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist am Abend in der estnischen Stadt Tartu eingetroffen, um die Bereitschaft Deutschlands zu einem verstärkten Engagement an der Nato-Ostflanke zu unterstreichen. Am Dienstag soll in der Grenzstadt Valga das Deutsch-Niederländische Korps offiziell die Führung über die Landstreitkräfte des Bündnisses in Estland und Lettland übernehmen.
Neues Hauptquartier für die baltischen Staaten
Mit der Aufstellung eines zweiten Hauptquartiers in der Region „demonstrieren Deutschland und die Niederlande ihre Bereitschaft und ihre Fähigkeit, Verantwortung für die Abschreckung und die Verteidigung der Nato-Ostflanke zu übernehmen“, erklärte das Verteidigungsministerium in Berlin. Bislang war das Nato-Hauptquartier in Polen für die Ostflanke zuständig. Die Einrichtung eines eigenen Hauptquartiers für die baltischen Staaten war seit dem Nato-Gipfel 2023 im Gespräch.
Das Deutsch-Niederländische Korps wird künftig für militärische Übungen sowie im Ernstfall für die Verteidigung der Ostflanke verantwortlich sein. Formal übernimmt der Stab des Korps die Aufgabe eines Hauptquartiers, in Friedenszeiten vom westfälischen Münster aus. Die Kommandoübergabe erfolgt am Dienstag in Valga an der estnisch-lettischen Grenze.
Hintergrund des Deutsch-Niederländischen Korps
Das Korps wurde 1995 aufgestellt und hat seinen Standort in Münster. Das Kommando wechselt turnusmäßig zwischen Deutschland und den Niederlanden. Neben diesen beiden Ländern stellen derzeit 14 weitere Nato-Verbündete Personal. Das Hauptquartier kann eine internationale Truppe von rund 50.000 Soldaten befehligen und hat in der Vergangenheit bereits mehrere internationale Einsätze geleitet.
Der Besuch von Pistorius in Estland unterstreicht die wachsende Bedeutung der baltischen Region für die Nato. Die Allianz hat ihre Präsenz an der Ostflanke seit der russischen Annexion der Krim 2014 und dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 kontinuierlich verstärkt.



