Proteste vor G7-Gipfel: Polizei kesselt gewaltbereite Demonstranten in Genf ein
Während Tausende friedlich gegen den G7-Gipfel demonstrieren, sorgt eine kleine Gruppe für Sachschäden. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein – und greift am Abend durch.
Nach einer teils ausgearteten Demonstration gegen den bevorstehenden G7-Gipfel in Frankreich hat die Polizei in Genf einen harten Kern von gewaltbereiten Demonstranten eingekesselt. Von mehreren Hundert Personen würden die Personalien festgestellt und einige womöglich für eine strafrechtliche Verfolgung festgenommen, sagte der Sprecher einer zuständigen örtlichen Behörde, Laurent Paoliello, dem Sender RTS.
Nach seinen Angaben hielten sich die Sachschäden in Grenzen. Er lobte den Einsatz der Polizei. Es sei niemand verletzt worden.
Chaoten hatten den Protestmarsch von Tausenden friedlichen Demonstranten mit ihren Gewaltaktionen überschattet. Sie rissen Pflastersteine aus dem Boden und schmissen zahlreiche Schaufenster ein. Auch Autos setzten sie in Brand. Die Polizei setzte Tränengas und am Abend auch Wasserwerfer ein.
Nach Angaben der Polizei waren 20.000 Menschen auf der Straße, die Organisatoren sprachen von 60.000. Sie wollten mit dem Marsch gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7-Länder protestieren, das am Montag im nahegelegenen Évian auf der französischen Seite des Genfersees beginnt. In der ganzen Innenstadt wurden Fassaden mit Holzplatten vernagelt.
Die „No G7“-Koalition aus rund 60 Gruppen demonstriert gemäß Manifest unter anderem gegen US-Militärbasen in Europa, für höhere Mindestlöhne, kostenlose Verhütungsmittel, grenzenlose Freizügigkeit für Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Angabe des Geschlechts aus allen Ausweisdokumenten. Die G7 erwähnen sie in ihrem Manifest auch.
Das sei eine „illegitime und überholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht“. Dort fällten „Großmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung.“
Genfer sind sauer auf die Franzosen
Die G7-Gegner protestieren in Genf rund 50 Kilometer vom Gipfelort Évian entfernt, weil Frankreich zu dem Anlass keine Demonstration dulden wollte, wie die Genfer Regierung kritisiert. Frankreich sei auch auf ihre Bitten um finanzielle Beteiligung an den Sicherheitskosten nicht eingegangen. Der Gewerbeverband (FER) hat in einem Brief empört dagegen protestiert, dass Genf die Demonstration überhaupt erlaubt hat. Auch das Luxushotel „Four Seasons de Bergues“ wurde verbarrikadiert.
In der Genfer Innenstadt herrscht schon seit Tagen Ausnahmezustand: Hunderte Luxusgeschäfte und Banken, aber auch Hotels und Supermärkte haben ihre Fassaden und Schaufenster aus Sorge vor Ausschreitungen mit Sperrholzplatten verbarrikadiert.
Dies geht auf Erinnerungen an das Jahr 2003 zurück, als Chaoten bei einer Demonstration Schaden in Millionenhöhe anrichteten. Auch damals war es ein Protest gegen einen Gipfel in Évian. 2003 war Russland noch dabei, deshalb hieß die Veranstaltung G8.
Die Ereignisse von 2003 seien ein Trauma für die Genfer Polizei, sagte die Polizeichefin des Kantons, Monica Bonfanti. Sie bekommt dieses Mal Verstärkung aus der ganzen Schweiz, auch von der Armee. Es sollen mehr als 7000 Sicherheitskräfte auf den Straßen sein.
Ihre Aufgabe ist nicht nur die Bewältigung der Demonstration. Sie müssen auch die Sicherheit der anreisenden Staatschefs garantieren. Genf ist der nächstgelegene Flughafen zu Évian, und die meisten Delegationen sollen dort am Montag eintreffen.
Genf ist wie eine Enklave auf französischem Gebiet. Die Schweizer haben die rund 30 Grenzübergänge bis auf sieben geschlossen und führten schon am Freitag Personenkontrollen in der Stadt durch.



