Kommentar: Putins gefährliche Schwäche. EU-Politiker fürchten, dass Russlands Präsident unter dem wachsenden politischen Druck den Krieg eskaliert. Doch keine der drei denkbaren Optionen erscheint sonderlich attraktiv für ihn. Von Carsten Volkery, 20.06.2026 - 12:53 Uhr.
Putin ohne Ausweg
Russlands Präsident Wladimir Putin wirkt jeden Tag mehr wie ein Mann ohne Plan. Sein Angriffskrieg gegen die Ukraine kommt nicht voran. Das erklärte Ziel, den Donbass einzunehmen, scheint unerreichbar. Der Krieg dauert inzwischen länger als der Erste Weltkrieg oder der Kampf der Sowjetunion gegen Nazideutschland.
Dennoch schickt Putin Tag für Tag neue Rekruten an die Front. Geschätzte 1,4 Millionen Soldaten hat Russland bereits verloren. Die Folgen des Krieges führen dazu, dass die Wirtschaft vor sich hin siecht. Daran ändert auch die am Freitag auf Druck von Putin erfolgte Zinssenkung der russischen Zentralbank nichts.
Die Ukraine scheint dank der Hilfe der Europäer den längeren Atem zu haben – und versetzt Russland mit ihren Drohnenangriffen Wirkungstreffer im Wochentakt. Immer dringlicher stellt sich daher die Frage, wie lange der Kremlherrscher den Wahnsinn noch durchziehen will.
Wachsende Sorge vor Eskalation
Zugleich wächst in den europäischen Hauptstädten die Sorge vor einer Eskalation. Je mehr Putin in die Enge getrieben wird, desto gefährlicher wird er, lautet eine oft gehörte Befürchtung. Der Kremlchef steckt in einer Sackgasse: Ein Rückzug wäre ein Gesichtsverlust, eine Eskalation könnte die NATO herausfordern, und ein Festhalten am Status quo verschlechtert die Lage täglich.
Die drei denkbaren Optionen – militärische Eskalation, Verhandlungen oder Abnutzungskrieg – bieten Putin keine attraktiven Perspektiven. Die europäischen Politiker beobachten die Lage mit großer Nervosität, denn eine Fehlentscheidung könnte katastrophale Folgen haben.



