Rafik Schami wird 80: Sorge um Syrien und Kritik an al-Scharaa
Rafik Schami wird 80: Sorge um Syrien und Kritik

Kurz vor seinem 80. Geburtstag am 23. Juni äußert sich der in Damaskus geborene Schriftsteller Rafik Schami enttäuscht über die Entwicklung in Syrien. Die Hoffnungen nach dem Sturz des Assad-Regimes hätten sich nicht erfüllt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr antwortete er: „Leider nein.“ Wäre er jünger, hätte er es gewagt. „Aber ich bin 80 und habe kein Vertrauen, dass ich unbeschadet zurückkomme. Da ich den Mund nicht halten kann – sonst wäre ich nicht über 50 Jahre im Exil“, so Schami, der 1971 nach Deutschland kam.

Sorge um religiöse Minderheiten

Der in Rheinland-Pfalz lebende Autor zeigte sich besorgt über die Lage religiöser Minderheiten in Syrien. Islamistische Gruppen würden immer wieder Christen belästigen, die Regierung schaue zu. Schami kritisierte Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa scharf: „Meine Begeisterung für Ahmed al-Scharaa verblasst Tag für Tag.“ Dass al-Scharaa Frauen nicht die Hand gebe, gleichzeitig aber Politikern wie Wladimir Putin oder Donald Trump, sei „Opportunismus“ und habe nichts mit dem Islam zu tun.

Vom Chemiker zum gefeierten Autor

Schami wurde am 23. Juni 1946 geboren und promovierte in Heidelberg in Chemie. Um sein Deutsch zu verbessern, schrieb er Thomas Manns „Buddenbrooks“ mit der Hand ab, später Werke von Heinrich Heine, Kurt Tucholsky und Anna Seghers. Sein Pseudonym Rafik Schami bedeutet „Damaszener Freund“; sein bürgerlicher Name ist Suheil Fadél. Die „Zeit“ nannte ihn den „letzten Wanderliteraten“, die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnet ihn als „einen der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart“. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt.

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Durchbruch mit „Die dunkle Seite der Liebe“

Das Erzählen machte Schami zur Lebensaufgabe. Seine Geschichten führen durch die Gassen von Damaskus in deutsche Wohnzimmer und hinein in Sehnsüchte und Widersprüche. 2004 gelang ihm mit dem teils autobiografischen Roman „Die dunkle Seite der Liebe“ der Durchbruch. Trotz Enttäuschungen bleibt Syrien zentrales Thema. „Man kann Rafik Schami aus Damaskus holen – aber Damaskus nicht aus Rafik Schami“, so ein gängiges Diktum.

Auch mit 80 arbeitet der vielfach ausgezeichnete Autor an neuen Büchern. Vor wenigen Wochen erschien „Das Mosaik der Frauen“, ein Roman, der wie ein fein zusammengesetztes Bild aus Erinnerungen, Sehnsucht und Hoffnung wirkt. Das Buch stand auf der „Spiegel“-Bestsellerliste.

Keine Lesereise mehr – Stille genießen

Erstmals seit Jahrzehnten wird Schami mit einem neuen Buch nicht auf Lesereise gehen. Das falle ihm schwer, sagte er offen. Er habe die Tourneen geliebt, trotz aller Strapazen. „Zu erleben, wie Erwachsene allein über das Zuhören verzaubert werden“, gehöre zu den größten Freuden seines Berufs. An seinem 80. Geburtstag will er mit seiner Familie das Fest genießen, das sein Verlag in München organisiert hat, und anschließend mit seiner Frau einige ruhige Tage verbringen – „als erste Übung auf die kommenden Jahre“.

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