Die iranischen Revolutionsgarden haben am Donnerstag das Frachtschiff „Ever Lovely“ in der Straße von Hormus beschossen. Das berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf zwei hochrangige US-Beamte. Das unter der Flagge Singapurs fahrende Schiff wurde in der Straße von Hormus nahe der Küste zum Oman angegriffen. Dabei wurde die Brücke beschädigt, verletzt wurde niemand.
IMO setzt Evakuierung von Schiffen aus
Nach dem Angriff hat die Weltschifffahrtsorganisation IMO die jüngst gestartete Evakuierung von Schiffen rund um die Straße von Hormus vorläufig gestoppt. „Mir wurde heute ein Angriff im Golf von Oman auf ein Schiff gemeldet, das die Straße von Hormus durchquert hat“, teilte IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez mit. „Dieses Schiff befand sich nicht im Rahmen des Evakuierungsplans der IMO auf der Durchfahrt.“ Er habe beschlossen, die Umsetzung des Evakuierungsplans „vorübergehend auszusetzen, um erneut zu überprüfen, ob die erforderlichen Sicherheitsgarantien für die Schiffe auf unserer Evakuierungsliste und alle Schiffe in der Region weiterhin gegeben sind“, sagte Dominguez. „Ich habe stets betont, dass die Sicherheit der Seeleute oberste Priorität hat. Um daher ein koordiniertes Vorgehen und die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten, wird der Evakuierungsplan bis zur Klärung der Lage ausgesetzt.“
Die UN-Sonderorganisation hatte am Dienstag angekündigt, mehr als 11.000 Seeleute aus der Region zu evakuieren. Noch am selben Tag passierten erste Schiffe die Meerenge. Die für den Welthandel bedeutende Straße von Hormus war wochenlang faktisch blockiert gewesen, als zunächst der Iran mit Drohungen und Angriffen auf zivile Schiffe begann und später die USA iranische Häfen blockierten. Vorausgegangen waren amerikanisch-israelische Angriffe auf den Iran. Inzwischen haben sich Washington und Teheran vorläufig auf ein Ende der Kampfhandlungen geeinigt.
Israel: Kein Abzug aus Libanon ohne Hisbollah-Entwaffnung
Die israelische Armee wird den Libanon nach Angaben eines Regierungssprechers erst nach einer Entwaffnung der Hisbollah-Miliz verlassen. „Wir werden unsere Streitkräfte nicht aus dem Süden des Libanon abziehen, solange die Hisbollah eine Bedrohung darstellt und nicht entwaffnet und entmilitarisiert ist“, sagte der Regierungssprecher David Mencer am Donnerstag vor Journalisten. Mit Blick auf die im April begonnenen direkten Gespräche zwischen Israel und dem Libanon sagte Mencer, „jegliche Verlegung der israelischen Streitkräfte“ werde „nach – und nicht vor – der Demilitarisierung des Südens des Libanon und der Entwaffnung der Hisbollah“ erfolgen. Die israelische Regierung trage Verantwortung gegenüber den Bürgern im Norden Israels und dem ganzen Land, sagte Mencer und fügte an: „Wir werden es keiner terroristischen Kraft erlauben, sich unserer Grenze zu nähern.“
Zu den Gesprächen zwischen Israel und Libanon äußerte sich auch US-Außenminister Marco Rubio, der sich derzeit auf einer mehrtägigen Reise in der Golfregion befindet. „Ich glaube, wir stehen kurz davor, eine Absichtserklärung beider Länder zu erhalten“, sagte Rubio während seines Besuchs in Bahrain. Die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon finden unter Vermittlung der USA statt. In dieser Woche hatte eine fünfte Gesprächsrunde begonnen, diese sollte am Donnerstag zu Ende gehen.
Hapag-Lloyd: Alle aufgehaltenen Schiffe frei
Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd hat sämtliche im Persischen Golf aufgehaltenen Schiffe wieder frei. Alle Frachter, die von der vorübergehenden Schließung der Straße von Hormus betroffen waren und auf die Ausfahrt gewartet hatten, hätten die Region inzwischen sicher verlassen, erklärte eine Konzernsprecherin am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. „Dies erfolgte erst nach sorgfältiger Bewertung der Sicherheitslage und in enger Abstimmung mit den relevanten Behörden, Sicherheitspartnern sowie unseren Teams an Bord und an Land.“ Aus Sicherheitsgründen gebe Hapag-Lloyd keine Details wie etwa Namen einzelner Schiffe, Routen oder Zeitpläne bekannt.
Vor gut zwei Wochen waren es noch vier Hapag-Lloyd-Schiffe, die wegen des Iran-Kriegs im Persischen Golf feststeckten. Ursprünglich waren es sechs Schiffe mit 150 Seeleuten gewesen. Eines kam bereits im April frei und bei einem anderen lief der Chartervertrag aus, womit es nicht mehr zur Hapag-Lloyd-Flotte gehörte. Nach der jüngsten Einigung der USA und dem Iran auf ein vorläufiges Friedensabkommen hatte das Hamburger Unternehmen die Hoffnung geäußert, dass auch die noch verbliebenen Schiffe bald die Straße von Hormus passieren können.
Frankreich und Italien planen Nachfolge für Unifil
Frankreich und Italien wollen eine multinationale „Koalition“ ins Leben rufen, um die UNO-Friedenstruppe im Libanon (Unifil) abzulösen, deren Mandat im Dezember ausläuft. Die Mission solle „selbstverständlich in Abstimmung mit der EU und der UNO“ auf den Weg gebracht werden, „um die Souveränität des Libanon und seiner Streitkräfte zu stärken“, erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag nach einem Gespräch mit der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni in der südfranzösischen Stadt Antibes. Die Mission solle verhindern, dass das libanesische Staatsgebiet „zur Ausgangsbasis für eine regionale Eskalation wird“, sagte Macron weiter. „Italien und Frankreich können dabei durchaus etwas bewirken.“ Die Präsenz internationaler Truppen solle „ein gefährliches Sicherheitsvakuum verhindern“, fügte Meloni hinzu.
Im Libanon bekämpfen sich seit Monaten die israelische Armee und die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz. Während die libanesische Regierung Friedensgespräche mit Israel unter Vermittlung der USA führt, lehnt die Hisbollah jeden Dialog ab. Ein unlängst ausgehandelter Waffenstillstand wurde vielfach gebrochen.
Ölpreise fallen unter Vorkriegsniveau
Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent ist erstmals unter sein Schlusskurs-Niveau vor Beginn des Iran-Krieges gesunken. Für ein Barrel Brent bei Lieferung im August wurden am Donnerstag 72,44 Dollar (63,73 Euro) aufgerufen. Dies war weniger als der Schlusskurs von 72,48 Dollar am 27. Februar – dem Vorabend des Beginns der Iran-Kriegs durch US-israelische Angriffe auf das Land. Die Ölpreise sinken schon seit Tagen. Grund dafür ist, dass immer mehr Schiffe die Straße von Hormus durchqueren können.
In den vergangenen 24 Stunden haben US-Angaben zufolge rund 72 Schiffe mit insgesamt etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus passiert. Die Rückkehr zu normalen Öltransporten verzögere sich jedoch wegen iranischer Minen in der Meerenge, sagt US-Energieminister Chris Wright auf dem Reuters Global Energy Forum in New York. Der Iran werde künftig nicht mehr in der Lage sein, die Straße von Hormus zu blockieren, betont Wright. Selbst ohne ein Abkommen mit dem Iran würden die USA den Ölfluss durch die Meerenge sicherstellen.



