Bei einem mutmaßlichen ukrainischen Drohnenangriff auf einen belarussischen Reisebus im russischen Grenzgebiet sind nach Angaben der Regionalregierung zwei Menschen verletzt worden. Der Vorfall habe sich am Grenzübergang Krasny Kamen in der Region Brjansk ereignet, wie staatliche Medien berichten. Bei den Verletzten handele es sich um die beiden Fahrer des Busses, der auf dem Weg von Minsk in den Badeort Anapa am Schwarzen Meer war.
Die Ukraine weist die Vorwürfe jedoch entschieden zurück. Der Leiter des ukrainischen Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, Andrij Kowalenko, spricht von einer Provokation Moskaus und einer Operation unter falscher Flagge.
Selenskyj: Gespräche zwischen Umjerow und Trump-Schwiegersohn Kushner
Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow und Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, haben in den vergangenen zwei Tagen Gespräche geführt. Das erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Besuch an einem der Schauplätze russischer Angriffe in Kiew. Selenskyj hoffe zudem, dass Kushner und der US-Gesandte Steve Witkoff die Ukraine besuchen werden, obwohl die von den USA unterstützten Friedensbemühungen seit Monaten stocken. Er hoffe darüber hinaus auf ein Treffen mit Trump am Rande des Nato-Gipfels in der türkischen Hauptstadt Ankara in der kommenden Woche, sagte Selenskyj weiter.
Klitschko spricht von schwersten Angriffen seit Kriegsbeginn
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat am Donnerstagmorgen von den „verheerendsten Angriffen des Feindes auf die Hauptstadt“ seit Kriegsbeginn gesprochen. Auf dem Kurznachrichtendienst Telegram schrieb er: „Es war eine schreckliche Nacht für Kiew. Der massive Feindangriff traf die Hauptstadt mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen.“ Insgesamt gebe es bislang mindestens 13 Tote und fast 90 Verletzte. Er rief für Freitag einen Trauertag in der Hauptstadt aus: Die Flaggen sollen auf Halbmast gesetzt werden, jegliche Unterhaltungsveranstaltungen sind verboten.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland bei dem Angriff 74 Raketen und 496 Drohnen ein. Die Luftabwehr habe die meisten davon abgeschossen, jedoch hätten 25 ballistische Raketen und zwölf Drohnen insgesamt 33 Ziele getroffen. Mehrere Wohnhäuser wurden zerstört. Die Rettungshelfer suchen weiter nach Toten und Verletzten unter den Trümmern.
Russische Drohnen spionierten monatelang in Europa
Drohnen über Flughäfen, Militärbasen und sogar Einrichtungen der nuklearen Teilhabe: Der Analyse einer britischen Denkfabrik zufolge hat Russland ein Dutzend Nato-Staaten über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren weitgehend unbehelligt mit einer Drohnenkampagne überzogen. Gestartet wurden die unbemannten Flugobjekte demnach von Tankern der russischen Schattenflotte, Frachtern in Küstennähe und kleineren Wasserfahrzeugen. In dem Bericht des International Institute for Strategic Studies (IISS) werden 144 Vorfälle in 13 Ländern zwischen August 2024 und Februar 2026 beleuchtet. Obwohl nicht jeder einzelne Vorfall von Moskau ausgegangen sein dürfte, sehen die Experten ein klares Muster, heißt es in einer Mitteilung zu der Analyse. Offiziell bestätigt habe das bisher aber keine westliche Regierung.
EU-Verbot von Russia Today Inhalten auch für kostenlose Websites
Das EU-weite Verbot, Inhalte des Senders Russia Today zu verbreiten, gilt einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zufolge auch für kostenlos zugängliche Websites. Es sei unerheblich, ob die Verbreitung im Rahmen einer wirtschaftlichen Tätigkeit erfolge, hieß es aus Luxemburg. Hintergrund ist ein Strafverfahren in Deutschland gegen drei Menschen. Ihnen wird vorgeworfen, wiederholt Videos des Senders RT – Russia Today Germany auf der eigenen Internetseite veröffentlicht zu haben. Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erließ die EU 2022 gegenüber „Betreibern“ das Verbot, solche Inhalte zu verbreiten.
Auswärtiges Amt: Putin setzt weiter auf Terror
Die Bundesregierung verurteilt die jüngsten russischen Luftangriffe auf Kiew und weitere Teile der Ukraine „auf das Schärfste“. „Die erschütternden Bilder der Zerstörung aus der letzten Nacht zeigen einmal mehr: Russland setzt seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit unverminderter Brutalität fort“, erklärt ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Russlands Präsident Wladimir Putin zeige „keinerlei Verhandlungsbereitschaft“, heißt es weiter. „Er setzt weiter auf Raketen- und Drohnenterror gegen die Bevölkerung, während Russland an der Front enorme Verluste bei seiner Aggression gegen die Ukraine erleidet.“ Deswegen erhöhe Deutschland mit seinen Partnern weiter den Druck auf Russland. „Wir setzen unsere Unterstützung für die Ukraine in ihrem Abwehrkampf fort. Um diese Unterstützung wird es auch kommende Woche auf dem Nato-Gipfel in Ankara gehen.“
Litauen plant Aufhebung von Verfassungsverbot für Atomwaffen
Litauens Präsident Gitanas Nauseda zufolge einigen sich die Parlamentsparteien auf einen Plan zur Aufhebung des verfassungsrechtlichen Verbots von Atomwaffen auf litauischem Boden. „Die geopolitische Lage verschlechtert sich“, sagt Nauseda. Die Verfassung sei unter völlig anderen geopolitischen Umständen geschrieben worden. Es gebe zwar keine unmittelbaren Pläne, Atomwaffen in Litauen zu lagern. Die Aufhebung der Bestimmung solle jedoch sicherstellen, dass das Land bei einer Änderung der Sicherheitslage handlungsfähig bleibe.
EU-Außenbeauftragte Kallas will neue Russland-Sanktionen vorschlagen
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat nach den jüngsten russischen Angriffen auf Kiew und andere ukrainische Städte neue Sanktionsvorschläge angekündigt. „Heute werde ich als Reaktion auf die Angriffe vorschlagen, weitere Einrichtungen und Unternehmen zu sanktionieren, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen“, teilte sie mit. Auf der Plattform X schrieb sie: „Je stärker Moskau Zivilisten angreife, desto mehr Sanktionen müssen verhängt werden.“ „Verurteilungen allein werden die Angriffe auf Kiew nicht stoppen“, erklärte Kallas. „Nur eine anhaltende militärische Unterstützung der Ukraine und ein erhöhter Druck auf Moskau können das erreichen.“ Man werde den Preis für Russland weiter erhöhen, bis Moskau verstehe, dass es diesen Krieg nicht gewinnen könne. Details zu den neuen Sanktionsvorschlägen nannte Kallas zunächst nicht.
Ukraine attackiert Raffinerie an der Wolga
Die Ukraine hat eine Raffinerie in der Wolgaregion Nischni Nowgorod angegriffen. Entsprechende Medienberichte bestätigte der Gouverneur des russischen Gebiets, Gleb Nikitin, indirekt, als er bei Telegram von „unbedeutenden Schäden an einem Industrieobjekt und an mehreren Wohnhäusern“ durch herabfallende Drohnentrümmer schrieb. Seinen Angaben nach ist durch den Angriff ein Mensch ums Leben gekommen und vier weitere wurden verletzt. In sozialen Netzwerken kursierende Bilder und Videos zeigen einen Brand, der von der Ölraffinerie in Kstowo, einer Stadt etwa 30 Kilometer südöstlich von Nischni Nowgorod, stammen soll. Die zum Ölkonzern Lukoil gehörende Verarbeitungsanlage ist eine der größten in Russland.
Russischer Angriff mit 74 Raketen und fast 500 Drohnen – mindestens 17 Tote
Russland hat bei seinem Großangriff in der Nacht nach Angaben der Ukraine 74 Raketen und 496 Drohnen eingesetzt. Die Luftabwehr habe davon zwar 48 Raketen und 476 Drohnen abfangen können, teilt die ukrainische Luftabwehr mit. 25 Raketen und zwölf Drohnen seien aber an 33 Stellen eingeschlagen. Hauptziel des Angriffs sei die ukrainische Hauptstadt Kiew gewesen. Nach Angaben der Behörden in der ukrainischen Hauptstadt wurden dabei mindestens 17 Menschen getötet. 34 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko am Donnerstag auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Nach einem Direkttreffer seien die ersten sechs Stockwerke eines großen Wohnhauses eingestürzt. Unter den Verletzten seien auch Rettungskräfte einer Ambulanzstation. Der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, erklärte, Wohngebäude seien getroffen worden, in einem Hotel im Stadtzentrum sei ein Brand ausgebrochen. Im gesamten Stadtgebiet seien etwa drei Dutzend Orte beschädigt worden. Ein Reuters-Augenzeuge berichtete von mehreren schweren Explosionen. Das russische Verteidigungsministerium sprach von Vergeltung für ukrainische Angriffe auf die zivile Infrastruktur.
Denkfabrik: Russische Verluste steigen schneller als die der Ukrainer
US-Kriegsexperten zufolge haben die ukrainischen Verteidiger im Abwehrkampf gegen Russland zuletzt bemerkenswerte Erfolge erzielt und die Verluste des Gegners stark in die Höhe getrieben. Laut einem Lagebericht der in Washington ansässigen Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) machen der russischen Armee neben ihrer stotternden Bodenoffensive und vereinzelten Geländegewinnen der Ukrainer vor allem die zunehmenden Gefallenenzahlen in den eigenen Reihen zu schaffen. Insgesamt seien seit Kriegsbeginn im Februar 2022 rund zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder vermisst gemeldet worden, heißt es in dem Bericht – allein 1,4 Millionen davon auf russischer Seite. Während das Verhältnis zwischen russischen und ukrainischen Verlusten die meiste Zeit über bei 2:1 oder 3:1 gelegen habe, sei es im ersten Halbjahr 2026 schätzungsweise auf 8:1 gestiegen. Hauptgrund dafür sei der verstärkte und äußerst wirkungsvolle Einsatz ukrainischer Kampfdrohnen. Die Gesamtzahl der russischen Gefallenen gab CSIS mit 400.000 bis 450.000 an, auf ukrainischer Seite seien es 125.000 bis 150.000. Ende Januar hatte die Bilanz noch bei etwa 325.000 getöteten Russen und 100.000 bis 140.000 Ukrainern gestanden. Inzwischen übersteige die monatliche Zahl der russischen Verluste auch die der Neurekrutierungen, hieß es weiter.
AP zählt mehr als 50 Angriffe auf russische Energieanlagen seit März
Die Angriffe des ukrainischen Militärs auf russische Energieanlagen machen sich zusehends bemerkbar. Die Nachrichtenagentur AP ermittelte in einer Zählung der seit März gemeldeten Fälle mehr als 50 Angriffe auf Ölraffinerien, Lager, Terminals und andere Energieinfrastruktur in Russland und auf der völkerrechtswidrig annektierten Krim. In vielen Fällen wurde eine Anlage mehrfach attackiert, so etwa eine Ölraffinerie in der Schwarzmeerstadt Tuapse, die Berichten zufolge viermal getroffen wurde. Gary Peach, Ölmarktanalyst beim Fachinformationsdienst Energy Intelligence, sagte der AP, die Menge des im Juni von Russland zu Treibstoff verarbeiteten Rohöls sei im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 3,95 Millionen Barrel pro Tag zurückgegangen. Das sei der niedrigste Wert in 20 Jahren. „Die Ausfälle sind außergewöhnlich.“ Die Produktion von Benzin etwa sei um 17 Prozent auf 850.000 Barrel täglich zurückgegangen, sagte Peach. Das liege weit unter dem Bedarf für den heimischen Markt. Chris Weafer, Chef der Beratungsfirma Macro-Advisory, schätzt, dass etwa ein Drittel der russischen Ölraffineriekapazität außer Betrieb ist. Weil Raffinerien das Ausmaß der Schäden nicht öffentlich bestätigten, beruhe das aber auf anekdotischen Hinweisen und Quellen aus der Ölbranche, sagte Weafer. Die Ausfälle träfen Russland zu einem kritischen Zeitpunkt. Mit Beginn der landwirtschaftlichen Saison und insbesondere der Erntezeit steige die Nachfrage.



