Russlands Spione: Im Visier der Bundesanwaltschaft
Die Bundesanwaltschaft beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung: Russische Geheimdienste setzen zunehmend auf billige und ungeschulte Hilfsagenten, um in Deutschland Spionage zu betreiben. Generalbundesanwalt Jens Rommel erklärte am Montagabend in Karlsruhe, dass diese Vorgehensweise darauf abziele, die Unterstützung Deutschlands für die Ukraine zu untergraben. Die Hilfsagenten könnten bei einer Enttarnung kaum Wissen über geheimdienstliche Strukturen preisgeben, was die Arbeit der Ermittler erschwere.
Sabotage als Ziel
Rommel betonte, dass es nicht nur um das Sammeln von Informationen gehe. Vielmehr würden diese Aktionen oft zur Vorbereitung von Sabotageakten oder sogar Angriffen auf ausgespähte Zielpersonen dienen. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass russische Agenten gezielt Informationen über die deutsche Rüstungsindustrie, Drohnentests und Lieferungen an die Ukraine sammelten.
Festnahmen im Jahr 2026
Allein in diesem Jahr wurden bislang fünf mutmaßliche Russland-Agenten festgenommen. Im Januar wurde eine prorussische Netzwerkerin in Berlin gefasst, die für einen russischen Geheimdienstmitarbeiter in der Botschaft tätig gewesen sein soll. Sie sammelte Hintergrundinformationen über Teilnehmer politischer Veranstaltungen und erkundigte sich nach Standorten der Rüstungsindustrie. Besonders brisant: Sie kontaktierte ehemalige Bundeswehrangehörige, die sie persönlich kannte.
Weitere Festnahmen folgten: Eine Rumänin und ein Ukrainer spähten eine Person aus, die Drohnen in die Ukraine lieferte. Ein Ukrainer observierte einen Ex-Kämpfer der ukrainischen Streitkräfte in Deutschland. Ein Kasache gab Informationen über die militärische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine weiter.
Anstieg der Ermittlungsverfahren
Die Bundesregierung teilte auf eine Anfrage der Grünen mit, dass die Bundesanwaltschaft im Jahr 2025 vier Ermittlungsverfahren mit Bezug zu Spionage und Sabotage einleitete. Im Jahr 2024 waren es 16 Verfahren gegen 24 Beschuldigte. Zum 1. März 2026 führte die Behörde 20 Verfahren gegen 23 Beschuldigte. Verdeckte Ermittlungen sind in diesen Zahlen nicht enthalten.
Warum der Krieg in der Ukraine ein Katalysator ist
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnt, dass der Angriffskrieg gegen die Ukraine wie ein Katalysator auf die russischen Nachrichtendienste wirke. Im Fokus stünden militärische Liegenschaften und kritische Infrastruktur. Seit 2024 gehe die Spionageabwehr einer Reihe ungeklärter Vorfälle nach, die möglicherweise mit Sabotage im russischen Auftrag zusammenhingen.
Sabotageakte würden meist durch klassische Spionage vorbereitet, so das BfV. Neu sei der Einsatz sogenannter Proxys, die über soziale Medien angeworben und gesteuert werden.
Schärfere Strafen für Wegwerf-Agenten
Die Strafen für sogenannte Wegwerf-Agenten wurden im Januar verschärft. Diese Handlanger ohne nachrichtendienstliche Ausbildung können nun mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Ein entsprechender Fall wurde vor dem Oberlandesgericht Stuttgart angeklagt: Drei Ukrainer sollen Pakete mit GPS-Trackern in die Ukraine versendet haben, um Transportwege auszuforschen. Später sollten Brandsätze in Paketen Schaden anrichten.
Spionage auch im Auftrag Chinas und des Irans
Doch nicht nur russische Dienste sind aktiv. Im Mai ließ die Bundesanwaltschaft ein Ehepaar festnehmen, das für China Wissenschaftsspionage an Hochschulen betrieben haben soll. Kurz darauf wurde Anklage gegen einen mutmaßlichen Spion des Irans erhoben, der Juden und Freunde Israels für Anschläge ausgespäht haben soll, darunter den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.
Die Bundesanwaltschaft ist als oberste Strafverfolgungsbehörde für Terrorismus, Spionage und Völkerstrafrecht zuständig. Generalbundesanwalt Rommel steht seit März 2024 an der Spitze der Behörde.



