Ukraine: Schwerste Angriffe auf Kiew seit Kriegsbeginn – 17 Tote
Schwerste Angriffe auf Kiew: 17 Tote bei russischem Großangriff

Bei einem massiven russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind in der Nacht zum Donnerstag mindestens 17 Menschen getötet und 34 weitere verletzt worden. Das teilte Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram mit. Die Angreifer setzten nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 74 Raketen und 496 Drohnen ein. Die Luftabwehr habe 48 Raketen und 476 Drohnen abgefangen, 25 Raketen und zwölf Drohnen hätten jedoch 33 Ziele getroffen.

Klitschko: „Verheerendste Angriffe des Feindes“

Klitschko sprach von den „verheerendsten Angriffen des Feindes auf die Hauptstadt“ seit Kriegsbeginn. Auf Telegram schrieb er: „Es war eine schreckliche Nacht für Kiew. Der massive Feindangriff traf die Hauptstadt mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen.“ Nach einem Direkttreffer seien die ersten sechs Stockwerke eines großen Wohnhauses eingestürzt. Unter den Verletzten seien auch Rettungskräfte einer Ambulanzstation. Der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, erklärte, Wohngebäude seien getroffen worden, in einem Hotel im Stadtzentrum sei ein Brand ausgebrochen. Im gesamten Stadtgebiet seien etwa drei Dutzend Orte beschädigt worden. Klitschko rief für Freitag einen Trauertag aus: Die Flaggen sollen auf Halbmast gesetzt werden, jegliche Unterhaltungsveranstaltungen sind verboten.

Auswärtiges Amt verurteilt Angriffe aufs Schärfste

Die Bundesregierung verurteilte die Angriffe „auf das Schärfste“. „Die erschütternden Bilder der Zerstörung aus der letzten Nacht zeigen einmal mehr: Russland setzt seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit unverminderter Brutalität fort“, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Russlands Präsident Wladimir Putin zeige „keinerlei Verhandlungsbereitschaft“. „Er setzt weiter auf Raketen- und Drohnenterror gegen die Bevölkerung, während Russland an der Front enorme Verluste bei seiner Aggression gegen die Ukraine erleidet.“ Deswegen erhöhe Deutschland mit seinen Partnern weiter den Druck auf Russland. „Wir setzen unsere Unterstützung für die Ukraine in ihrem Abwehrkampf fort. Um diese Unterstützung wird es auch kommende Woche auf dem Nato-Gipfel in Ankara gehen.“

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EU-Außenbeauftragte Kallas kündigt neue Sanktionen an

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte nach den Angriffen neue Sanktionsvorschläge an. „Heute werde ich als Reaktion auf die Angriffe vorschlagen, weitere Einrichtungen und Unternehmen zu sanktionieren, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen“, teilte sie mit. Auf der Plattform X schrieb sie: „Je stärker Moskau Zivilisten angreife, desto mehr Sanktionen müssen verhängt werden.“ „Verurteilungen allein werden die Angriffe auf Kiew nicht stoppen“, erklärte Kallas. „Nur eine anhaltende militärische Unterstützung der Ukraine und ein erhöhter Druck auf Moskau können das erreichen.“ Man werde den Preis für Russland weiter erhöhen, bis Moskau verstehe, dass es diesen Krieg nicht gewinnen könne. Details zu den neuen Sanktionsvorschlägen nannte Kallas zunächst nicht.

Litauen plant Aufhebung von Verfassungsverbot für Atomwaffen

Litauens Präsident Gitanas Nauseda zufolge einigen sich die Parlamentsparteien auf einen Plan zur Aufhebung des verfassungsrechtlichen Verbots von Atomwaffen auf litauischem Boden. „Die geopolitische Lage verschlechtert sich“, sagte Nauseda. Die Verfassung sei unter völlig anderen geopolitischen Umständen geschrieben worden. Es gebe zwar keine unmittelbaren Pläne, Atomwaffen in Litauen zu lagern. Die Aufhebung der Bestimmung solle jedoch sicherstellen, dass das Land bei einer Änderung der Sicherheitslage handlungsfähig bleibe.

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Russischer Drohnenangriff auf belarussischen Bus – Ukraine dementiert

Bei einem mutmaßlichen ukrainischen Drohnenangriff sind in einem belarussischen Reisebus im russischen Grenzgebiet zwei Menschen verletzt worden. Der Vorfall habe sich am Grenzübergang Krasny Kamen in der Region Brjansk ereignet, wie staatliche Medien des Landes unter Berufung auf die Regionalregierung berichten. Bei den Verletzten handele es sich um die beiden Fahrer des Busses, der auf dem Weg von Minsk in den Badeort Anapa am Schwarzen Meer war. Die Ukraine weist die Vorwürfe zurück. Der Leiter des ukrainischen Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, Andrij Kowalenko, spricht von einer Provokation Moskaus und einer Operation unter falscher Flagge.

Bericht: Russische Drohnen spionierten monatelang in Europa

Drohnen über Flughäfen, Militärbasen und sogar Einrichtungen der nuklearen Teilhabe: Der Analyse einer britischen Denkfabrik zufolge hat Russland ein Dutzend Nato-Staaten über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren weitgehend unbehelligt mit einer Drohnenkampagne überzogen. Gestartet wurden die unbemannten Flugobjekte demnach von Tankern der russischen Schattenflotte, Frachtern in Küstennähe und kleineren Wasserfahrzeugen. In dem Bericht des International Institute for Strategic Studies (IISS) werden 144 Vorfälle in 13 Ländern zwischen August 2024 und Februar 2026 beleuchtet. Obwohl nicht jeder einzelne Vorfall von Moskau ausgegangen sein dürfte, sehen die Experten ein klares Muster, heißt es in einer Mitteilung zu der Analyse. Offiziell bestätigt habe das bisher aber keine westliche Regierung.

Ukraine attackiert Raffinerie an der Wolga

Die Ukraine hat eine Raffinerie in der Wolgaregion Nischni Nowgorod angegriffen. Entsprechende Medienberichte bestätigte der Gouverneur des russischen Gebiets, Gleb Nikitin, indirekt, als er bei Telegram von „unbedeutenden Schäden an einem Industrieobjekt und an mehreren Wohnhäusern“ durch herabfallende Drohnentrümmer schrieb. Seinen Angaben nach ist durch den Angriff ein Mensch ums Leben gekommen und vier weitere wurden verletzt. In sozialen Netzwerken kursierende Bilder und Videos zeigen einen Brand, der von der Ölraffinerie in Kstowo, einer Stadt etwa 30 Kilometer südöstlich von Nischni Nowgorod, stammen soll. Die zum Ölkonzern Lukoil gehörende Verarbeitungsanlage ist eine der größten in Russland.

Denkfabrik: Russische Verluste steigen schneller als die der Ukrainer

US-Kriegsexperten zufolge haben die ukrainischen Verteidiger im Abwehrkampf gegen Russland zuletzt bemerkenswerte Erfolge erzielt und die Verluste des Gegners stark in die Höhe getrieben. Laut einem Lagebericht der in Washington ansässigen Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) machen der russischen Armee neben ihrer stotternden Bodenoffensive und vereinzelten Geländegewinnen der Ukrainer vor allem die zunehmenden Gefallenenzahlen in den eigenen Reihen zu schaffen. Insgesamt seien seit Kriegsbeginn im Februar 2022 rund zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder vermisst gemeldet worden, heißt es in dem Bericht – allein 1,4 Millionen davon auf russischer Seite. Während das Verhältnis zwischen russischen und ukrainischen Verlusten die meiste Zeit über bei 2:1 oder 3:1 gelegen habe, sei es im ersten Halbjahr 2026 schätzungsweise auf 8:1 gestiegen. Hauptgrund dafür sei der verstärkte und äußerst wirkungsvolle Einsatz ukrainischer Kampfdrohnen.