Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, hat sich nach vier Jahren im Amt mit einer Videobotschaft auf Hebräisch verabschiedet. Sein letzter Arbeitstag ist der 30. Juni 2026, wie ein Sprecher bestätigte. Danach geht der 66-Jährige in den Ruhestand. In dem gut dreiminütigen Video, das auf der Plattform X veröffentlicht wurde, spricht Seibert fließend Hebräisch und zählt 25 Gründe auf, warum er Israel vermissen werde.
Persönliche Abschiedsworte und besondere Momente
„Ein großer Teil meines Herzens wird hierbleiben“, sagte Seibert in dem Video, das er auf dem Rothschild-Boulevard in Tel Aviv aufgenommen hat. Zu den Gründen zählen israelische Lieder, Spezialitäten und Orte, aber auch der Wiedehopf, der Nationalvogel Israels. Besonders erwähnte er das israelisch-palästinensische Forum von Menschen, die im Nahostkonflikt Angehörige verloren haben. Auch den Israel National Trail, einen Fernwanderweg von der libanesischen Grenze bis nach Eilat, hob er hervor. Seibert hatte viele Etappen dieses Wegs selbst zurückgelegt, begleitet von einem Reporter des SPIEGEL.
Kontroverse Amtszeit in schwierigen Zeiten
Seiberts Amtszeit fiel in eine besonders dramatische Phase für Israel. Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 setzte er sich intensiv für die Freilassung der Geiseln ein, unter denen auch deutsche Staatsbürger waren. Zugleich äußerte er sich wiederholt besorgt über das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazakrieg, in dem Zehntausende Menschen getötet wurden. Seine Amtszeit war nicht ohne Kontroversen: Im März 2026 hatte das israelische Außenministerium ihm mangelnde Empathie vorgeworfen, nachdem er in einem X-Beitrag Siedlergewalt thematisiert hatte. Das Auswärtige Amt stellte sich daraufhin demonstrativ hinter ihn. Bereits 2023 hatte Israel offiziell dagegen protestiert, dass Seibert als Zuschauer an einer Verhandlung des Obersten Gerichts über die umstrittene Justizreform teilgenommen hatte.
Abschied und Zukunft
Seibert, der vor seiner Zeit als Botschafter mehr als elf Jahre Regierungssprecher unter Angela Merkel war und davor als Fernsehjournalist beim ZDF arbeitete, plant nun ein Buch zu schreiben. Sein Nachfolger steht bereits fest. Die Videobotschaft endet mit den Worten: „Thank you for following this account over the past four years.“



