Die von russischen Drohnen für Angriffe auf die Ukraine genutzten Signalverstärker und Relaisstationen in Belarus sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seit dem 22. Juni außer Betrieb. Selenskyj erklärte gegenüber ukrainischen Medien, die Stationen hätten ihren Betrieb eingestellt, ob er wisse nicht, ob sie abgebaut worden seien. Zuvor hatte er der Führung in Minsk ein Ultimatum gestellt: „Wenn er das nicht macht, machen wir es“, sagte Selenskyj mit Blick auf den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Die Angaben lassen sich von der Nachrichtenagentur Reuters zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Selenskyj kündigt Präventivschläge gegen russische Anlagen an
In seiner abendlichen Videoansprache kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Präventivschläge gegen russische Einrichtungen an. Er habe die Geheimdienste und das Militär angewiesen, präventiv gegen Anlagen vorzugehen, die Russland für den Krieg nutze. Unterdessen fällt die Moskauer Ölraffinerie Insidern zufolge nach schweren Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe für mindestens sechs Monate aus. Die russische Produktion von Erdölprodukten sinkt offiziellen Daten zufolge im Mai im Jahresvergleich um 13,5 Prozent.
Stromausfall in Sewastopol und Angriffe auf Krim
Nach nächtlichen Drohnenangriffen ist in der Hafenstadt Sewastopol auf der Krim nach Angaben der Besatzungsverwaltung der Strom ausgefallen. Das teilte der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef der Stadt, Michail Raswoschajew, am Mittwoch mit. Die Ukraine hat ihre Drohnen- und Raketenangriffe auf die von Russland völkerrechtswidrig annektierte ukrainische Halbinsel zuletzt verstärkt. Die Krim ist wegen ihrer Lage am Schwarzen Meer, russischer Marinestützpunkte und ihrer Bedeutung als Nachschubroute für Moskaus Truppen in der Ukraine strategisch bedeutsam. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU teilte am Mittwoch mit, er habe zwei Militärflugplätze auf der Krim angegriffen und Raketensysteme zerstört. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.
Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben zudem eine Eisenbahnbrücke auf der Krim zerstört. Die Brücke über den Nord-Krim-Kanal sei ein strategisch wichtiger Übergang gewesen, der für die Logistik der russischen Truppen große Bedeutung gehabt habe, teilt das Militär mit. Die ukrainischen Spezialkräfte erklärten auf Telegram, sie hätten in Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Untergrund-Widerstandsbewegung zwei Angriffe auf die Brücke in der Nähe des Dorfes Rosdolne ausgeführt. Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte zudem mit, Drohnen hätten ein Öllager am Wärmekraftwerk Kertsch im Osten der Krim, ein Umspannwerk im Westen sowie eine Verteilstation für Flüssigerdgas in Simferopol getroffen.
Lawrow pocht auf Vereinbarungen von Alaska-Gipfel
Russland hält nach den Worten von Außenminister Sergej Lawrow an den Vereinbarungen fest, die Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump im vergangenen August bei ihrem Gipfel in Alaska getroffen haben. Moskau sei nicht bereit, andere Zwischenentscheidungen zu treffen oder sich Ultimaten zu beugen, sagt Lawrow. Beobachtern zufolge versteht die russische Führung unter dem sogenannten „Geist von Anchorage“ ein mögliches Abkommen, bei dem die Ukraine ihre Truppen aus dem noch nicht von Russland kontrollierten Teil des Donbas abzieht und Moskau im Gegenzug die Frontlinien an anderer Stelle einfriert. Die Regierung in Kiew lehnt die Abtretung von Gebieten ab.
Vize-Außenminister Sergej Rjabkow warf den USA vor, von „grundlegenden Vereinbarungen“ abgewichen zu sein. Außenminister Lawrow deutete an, der Gipfel sei möglicherweise ein „Trick der USA gewesen, um Zeit für die Wiederbewaffnung des Kiewer Regimes zu gewinnen“.
Russische Ölraffinerie fällt monatelang aus – Benzin-Engpässe
Die wichtigste Raffinerie für die russische Hauptstadtregion fällt Branchenkreisen zufolge nach ukrainischen Drohnenangriffen wahrscheinlich den Rest des Jahres aus. Die Anlage am südlichen Stadtrand von Moskau sei schwer beschädigt worden, sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. „Die Reparatur wird mindestens ein halbes Jahr dauern“, erklärte eine der mit den Vorgängen vertrauten Personen. Der Betreiber Gazprom Neft reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Anlage war in den vergangenen Wochen zweimal getroffen worden und musste den Betrieb einstellen. Der Ausfall der Raffinerie macht es für Russland schwerer, dem akuten Spritmangel im Land zu begegnen.
Russland hat Insidern zufolge wegen Engpässen infolge ukrainischer Drohnenangriffe seinen Nachbarn Kasachstan um die Lieferung von 50.000 Tonnen Benzin gebeten. Das sagen vier Brancheninsider am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die Angriffe auf mehrere große Raffinerien haben die russische Benzinproduktion bis Ende Juni um rund ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr einbrechen lassen.
Weitere Entwicklungen: Tote bei Drohnenangriffen und Kreml setzt auf Gespräche
Bei ukrainischen Drohnenangriffen sollen in Russland mindestens drei Menschen getötet worden sein. Zwei Menschen starben nach Angaben von Gouverneur Gleb Nikitin in der Region Nischni Nowgorod östlich von Moskau, zwei weitere wurden verletzt. Aus der russischen Grenzregion Belgorod meldeten die Behörden ein Todesopfer bei einem Drohnenangriff. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in der Nacht zum Mittwoch seien 323 ukrainische Drohnen abgefangen worden.
Der Kreml rechnet mit einer Fortsetzung der Kontakte mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über den Ukraine-Konflikt. Beide seien derzeit mit anderen Aufgaben beschäftigt, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow mit Blick auf die Verhandlungen der USA mit dem Iran. Sobald sie wieder zur Verfügung stünden, würden die Gespräche jedoch wieder aufgenommen. Auf die Frage nach einer Reaktion Moskaus für den Fall eines ukrainischen Angriffs auf Belarus betont Peskow, dass Russland der Regierung in Minsk bei jeder Bedrohung zur Seite stehen werde.



