Ein Skandal erschüttert die Liebigschule in Gießen (Hessen): Schüler des Jahrgangs 12 haben auf einem anonymen Portal Vorschläge für das Abi-Motto gesammelt – darunter unerträgliche antisemitische, rassistische und diskriminierende Parolen. Die Polizei ermittelt nun wegen Volksverhetzung, die Staatsanwaltschaft prüft die strafrechtliche Relevanz.
„NSDABI“ und „Abi macht frei“: Die widerlichen Vorschläge
Laut Schulleitung wurden auf dem Portal „antisemitische, rassistische und diskriminierende Ideen geäußert und ebenfalls anonym mehrfach positiv bewertet“. Der Vorschlag „NSDABI – Verbrennt den Duden“ erhielt die meisten positiven Bewertungen – eine Anspielung auf die NSDAP und die Bücherverbrennungen der Nazis. Auch „Abi macht frei“ in Anlehnung an den Zynismus der KZ-Tore „Arbeit macht frei“ war zu lesen, ebenso die islamfeindliche Zeile „Abi Akbar – Explosiv durchs Abi“.
Reaktionen: Abi-Komitee löscht Portal, Schule schaltet Polizei ein
Das Abi-Komitee reagierte umgehend, löschte den Zugang zu dem Portal und informierte die Schulleitung. Diese schaltete die Polizei ein. Ein Polizeisprecher bestätigte: „Man nehme die Vorfälle sehr ernst, ermittele wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung gegen unbekannt.“ Von Amts wegen sei eine Strafanzeige gefertigt worden. Die Staatsanwaltschaft Gießen prüft nun die strafrechtliche Relevanz.
Schulleitung distanziert sich: „Rassismus und Antisemitismus haben keinen Platz“
Schulleiter Dirk Hölscher betonte gegenüber der „Gießener Allgemeinen“, man nehme den Vorgang „sehr ernst“. In einer Stellungnahme distanziert sich die Schule in aller Form von den Vorschlägen. Sie stünden „in direktem Widerspruch zu dem Leitbild der Schule, das auf Respekt, Vertrauen, Achtsamkeit, Kooperationsbereitschaft und Freundlichkeit basiert“. Weiter heißt es: „In unserer Schulgemeinde haben Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung keinen Platz. Hierfür stehen wir gemeinsam ein!“
Der Abijahrgang 2026 schämt sich und fordert Konsequenzen
Der betroffene Jahrgang der Schule äußerte sich ebenfalls: „Wir wünschen uns ausdrücklich Konsequenzen gegen diese Personen, denn wir stehen für Demokratie und Toleranz und können so einen Vorfall nicht dulden.“ Und weiter: „Wir – der Abijahrgang 2026 der Liebigschule – schämen uns für die aus unserem Jahrgang, die diese Abimottos verfasst und veröffentlicht haben.“ Die Schule wird von mehr als 1500 Schülern besucht.



