Ex-Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat in seinen Memoiren „Auf meinem Posten“ enthüllt, dass US-Präsident Donald Trump beim Nato-Gipfel 2018 in Brüssel kurz davor stand, das Bündnis zu verlassen. Die Koffer seiner Delegation seien bereits gepackt gewesen, schreibt Stoltenberg. Nur das beherzte Eingreifen des damaligen niederländischen Premiers und heutigen Nato-Generalsekretärs Mark Rutte habe die Katastrophe verhindert.
Trump drohte mit sofortigem Austritt
Laut Stoltenberg begann Trump seine interne Rede am 12. Juli 2018 mit harscher Kritik: „Ich muss mich offiziell beschweren. Denn ich bin nicht zufrieden.“ Die USA bezahlten angeblich 90 Prozent der Nato-Ausgaben – eine überhöhte Zahl. Dann drohte Trump: „Die USA brauchen die Nato nicht. Warum soll ich weiterhin für diese Organisation bezahlen, wenn ich sie nicht brauche?“ Er forderte, dass alle Mitglieder sofort zwei Prozent des BIP für Verteidigung ausgeben sollten, und nannte das bisherige Ziel einen „Witz“. „Sie müssen vier Prozent anpeilen, wenn sie ordentlichen Schutz wollen.“
Merkel und Macron versuchten zu vermitteln
Nach Trumps Wutrede ergriff Bundeskanzlerin Angela Merkel die Initiative. „Wir müssen darauf reagieren. Wir können das nicht so stehen lassen“, sagte sie zu Stoltenberg. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Rutte beriet der Generalsekretär, wie die Lage zu retten sei. Trump saß währenddessen mit verschränkten Armen da und wiederholte: „Ich verlasse dieses Treffen jetzt. Es gibt keinen Grund, warum ich länger hierbleiben sollte.“ Stoltenberg dachte: „Jetzt fliegt uns alles um die Ohren.“
Rutte als Trump-Flüsterer
Mark Rutte, der eine Woche zuvor Trump im Weißen Haus besucht hatte, fand die richtigen Worte. Er schmeichelte dem US-Präsidenten: „Aufgrund Ihrer Führungsrolle haben wir im vergangenen Jahr 33 Milliarden Dollar mehr ausgegeben. Das ist eine gute Nachricht für Sie.“ Das gefiel Trump. Wenig später schob er Stoltenberg einen Zettel zu: „Generalsekretär, wenn Sie sagen können, dass die Nato-Alliierten ihre Verteidigungsausgaben wegen mir beträchtlich erhöht haben, dann können wir uns einigen, glaube ich.“ Stoltenberg sicherte zu, dies in der Pressekonferenz zu sagen, und ergänzte die Zusage, dass alle Mitglieder zu Artikel 5 des Nato-Vertrags stünden. Damit war der Gipfel gerettet.
Bis heute eine Warnung
Stoltenberg schreibt: „Was ich an diesem Tag vor mir sah, war das Ende der Nato. Sie funktionierte nicht mehr. Nicht notwendigerweise, weil die Allianz sich formal auflöste, sondern weil sie keine Bedeutung mehr hatte.“ Der Vorfall gilt bis heute als Warnung, auch vor dem anstehenden Nato-Gipfel in Ankara. Trump hatte 2025 erneut ein Ultimatum gestellt und ein Fünf-Prozent-Ziel durchgesetzt, das allerdings mit einem Rechentrick erreicht wurde. Doch die russische Bedrohung und der Ukraine-Krieg haben die Lage verändert.



