Ex-Nato-Chef Stoltenberg: Putin nicht umstimmbar, aber Kalkulation änderbar
Stoltenberg: Putin nicht umstimmbar, aber Kalkulation änderbar

Stoltenberg: Putin nicht umstimmbar, aber Kalkulation änderbar

Kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara mahnt der ehemalige Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zur Einigkeit im Bündnis. Der norwegische Finanzminister, der von 2014 bis 2024 an der Spitze der Allianz stand, äußerte sich im Interview mit WELT besorgt über die angespannte Stimmung. Die Sorge sei groß, dass es nach der jüngsten Kritik von US-Präsident Donald Trump an den europäischen Partnern erneut zu einem öffentlichen Disput kommen könnte.

Stoltenberg betonte, dass es zwar „ernsthafte Meinungsverschiedenheiten“ gebe, etwa den Streit um Grönland. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, dass die Nato eine starke transatlantische Allianz bleiben könne. „Die Verteidigung der USA beginnt an der europäisch-russischen Grenze“, sagte er und verwies auf Norwegen, das eine Landgrenze mit Russland teilt und die Bewegungen russischer U-Boote überwacht.

Europa muss mehr in Verteidigung investieren

Stoltenberg wies deutlich auf die gestiegenen Verteidigungsausgaben der Europäer hin. „Immer mehr Verbündete erreichen nun das Nato-Ziel, 3,5 Prozent des BIP für Kernaufgaben der Verteidigung auszugeben“, erklärte er. Trump fordere zu Recht eine gerechtere Lastenverteilung. „Das Wichtigste, was Europa tun kann, um das transatlantische Bündnis aufrechtzuerhalten und das Engagement der USA auch unter Präsident Trump zu sichern, ist, mehr zu investieren“, so Stoltenberg. Sollten sich die USA dennoch zurückziehen, seien eigene europäische Verteidigungsfähigkeiten umso wichtiger.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Maximale Unterstützung für die Ukraine

Für den Nato-Gipfel forderte Stoltenberg ein klares Signal in Richtung Ukraine. „Je mehr Unterstützung wir der Ukraine gewähren, desto eher kann dieser Krieg enden – und desto wahrscheinlicher ist es, dass er so endet, dass die Ukraine als unabhängige, demokratische Nation in Europa bestehen bleibt.“ Die Vollinvasion der Ukraine bezeichnete er als „strategischen Fehlschlag“ für Moskau. „Putin hat also keines seiner strategischen Ziele erreicht, obwohl Russland einen großen Preis zahlt.“

Nun gehe es darum, „maximale Unterstützung“ für die Ukraine zu mobilisieren, um vor Verhandlungen eine möglichst starke Position zu haben. „Ich glaube nicht, dass wir Putin umstimmen können“, sagte Stoltenberg. „Aber ich glaube, dass wir seine Kalkulation ändern können.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration