Vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York hat sich ein mutmaßlicher Tibet-Aktivist durch eine Selbstverbrennung das Leben genommen. Der 52-jährige Mann zündete sich am Donnerstagabend gegen 18.30 Uhr Ortszeit vor dem Gebäude an und erlag später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen, wie die Polizei mitteilte.
Video zeigt Protest mit Tibet-Flagge
In sozialen Medien kursieren Videos, die den Mann zeigen, wie er mit einer Tibet-Fahne vor das UN-Hauptquartier tritt und sich kurz darauf in Flammen setzt. Die Polizei bestätigte, dass der Tod des Mannes im Krankenhaus festgestellt wurde. Ein offizielles Motiv nannten die Ermittler zunächst nicht.
Laut dem Sender CNN soll der Mann die Selbstverbrennung in einem Livestream übertragen haben. Von demselben Account sei etwa zeitgleich ein Aufruf veröffentlicht worden, der Tibeter dazu aufforderte, sich für die „Unabhängigkeit von Tibet“ einzusetzen. Bekannte des Mannes berichteten Medien zufolge, dass er seit Jahren in der tibetischen Protestbewegung aktiv war.
Protest gegen neues chinesisches Gesetz
Die Aktion richtete sich offenbar gegen ein neues chinesisches Gesetz zur ethnischen Einheit, das im März verabschiedet wurde. Dieses Gesetz schreibt unter anderem Mandarin als Pflichtsprache für alle Kinder während der gesamten Schullaufbahn vor und zielt nach Ansicht von Kritikern auf die Zerstörung der tibetischen Identität, Kultur und Sprache ab.
Sowohl die USA als auch die EU hatten bereits ihre Besorgnis über das Gesetz ausgedrückt. Weltweit hatten sich Tibeter in den vergangenen Monaten dagegen ausgesprochen. Selbstverbrennungen als Protestform haben in der tibetischen Widerstandsbewegung eine lange Tradition. Allein zwischen 2009 und 2022 soll es in China und Tibet rund 150 derart politisch motivierte Suizide und Suizidversuche gegeben haben.
Reaktionen und Hintergrund
Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, er sei „bestürzt über den tragischen und schrecklichen Vorfall“ vor dem Hauptquartier in New York. China hatte die Himalaja-Region Tibet 1950 gewaltsam eingenommen; seit 1965 ist Tibet eine autonome Region. Das buddhistische Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, lebt seit mehr als 50 Jahren im Exil. Die Zentralregierung in Peking betrachtet ihn als Staatsfeind. Die eigentlich autonome tibetische Regierung sitzt im Exil in Indien.



