US-Präsident Donald Trump hat persönlich bei Fifa-Präsident Gianni Infantino interveniert, um die Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun aufheben zu lassen. Die Sperre für das Achtelfinale gegen Belgien wurde daraufhin vom Weltverband aufgehoben. Trump bestätigte den Vorgang am Montag vor Journalisten im Oval Office: „Ich habe lediglich um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht glaube, dass es ein Foul war.“ Er bezeichnete die Entscheidung des „schrecklichen“ Schiedsrichters als nicht gerechtfertigt.
Hintergrund: Rote Karte nach VAR-Entscheid
Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach Videobeweis (VAR) die Rote Karte erhalten. Der Tritt gegen Tarik Muharemovic wurde als hart, aber unabsichtlich eingestuft. Dennoch bestätigte der VAR die Entscheidung von Schiedsrichter Raphael Claus aus Brasilien. Balogun hatte zuvor das Führungstor zum 2:0 erzielt. Medienberichte von „The Athletic“, Wall Street Journal, AP und AFP zufolge hatten US-Handelsminister Howard Lutnick und Andrew Giuliani, Leiter der WM-Taskforce des Weißen Hauses, nach dem Spiel mehrere Telefonkonferenzen mit Trump organisiert. Sie argumentierten, die Sperre sei unverdient und gefährde die Chancen der USA gegen Belgien.
Trumps persönlicher Anruf bei Infantino
Als die Bemühungen des Teams scheiterten, griff Trump selbst zum Telefon und kontaktierte Infantino. Weder die Fifa noch das Weiße Haus hatten dies zunächst offiziell kommentiert. Am Sonntag hob die Fifa die Sperre überraschend auf und berief sich auf Artikel 27 des Disziplinarreglements, der eine Aussetzung der Strafe ermöglicht. Baloguns Sperre wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Sollte er sich einen weiteren Verstoß gleicher Art und Schwere erlauben, wird die Sanktion vollstreckt. Trump reagierte umgehend auf Truth Social: „Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist, und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt.“
Belgien protestiert heftig
Der belgische Fußballverband (RBFA) kritisierte die Entscheidung scharf und kündigte rechtliche Schritte an. In einer Stellungnahme hieß es: „Wir sehen keine andere Möglichkeit, als die Spielberechtigung Baloguns für das bevorstehende Spiel anzufechten.“ Der Verband warf der Fifa vor, ein konstruiertes Berufungsverfahren geschaffen zu haben, das von vornherein als unzulässig eingestuft werde. Belgiens Trainer Rudi Garcia sagte: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz.“
Internationale Kritik an der Fifa
Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp kommentierte bei MagentaTV: „Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, das ist verrückt.“ Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter schrieb auf X: „Wenn ein US-Präsident beim Fifa-Präsidenten interveniert – und ein Spieler plötzlich vor einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird –, stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, Fifa?“ Die UEFA zeigte sich „fassungslos“ und sprach von einer „roten Linie“. Norwegens Nationaltrainer Stale Solbakken nannte es eine „schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung, die der WM schaden wird“. Selbst unter US-Spielern hielten einige die Nachricht zunächst für einen mit KI erstellten Fake.
Vergleich mit früheren Fällen
Die Fifa machte bereits im Vorjahr von Artikel 27 Gebrauch, als Cristiano Ronaldo nach einer Roten Karte gegen Irland für ein Spiel gesperrt und die weiteren zwei Spiele zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der Unterschied: Bei Ronaldo wurde die Sperre nur verkürzt, bei Balogun de facto aufgehoben. Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich sagte: „Das Interessante ist, dass wir keine Begründung haben. Es wird irgendwann eine nachgeliefert und am Ende wissen wir nicht, worum es geht.“
Auswirkungen auf das Achtelfinale
Balogun, mit drei Turniertreffern bester Torschütze der USA, steht für das Achtelfinale gegen Belgien in der Nacht zum Dienstag (MESZ) zur Verfügung. US-Trainer Mauricio Pochettino erklärte: „Ich denke, wir müssen feiern, dass das eine faire Entscheidung ist, uns nicht noch mehr zu bestrafen. Das war schon genug.“ Balogun wird voraussichtlich anstelle von Ricardo Pepi auflaufen. Trump, der maßgeblich daran beteiligt war, die WM in die USA zu holen, wird zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford erwartet. Die Kontroverse überschattet das sportliche Duell und wirft Fragen zur Integrität des Weltverbandes auf.



