US-Präsident Donald Trump hat beim Nato-Gipfel in Ankara neue Angriffe auf den Iran angekündigt. „Wir haben sie hart am gestrigen Abend getroffen. Heute werden wir sie auch hart treffen – das sollte ich wohl ankündigen“, sagte Trump in einer Diskussion mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Zuvor hatte Trump die Absichtserklärung zur Beendigung des Konflikts mit dem Iran für hinfällig erklärt. Die Vereinbarung sei „vorbei“, sagte Trump vor dem Gipfel. Er wolle nicht mit Teheran verhandeln und mit dem Iran nichts mehr zu tun haben. Das seien „kranke Leute“, so Trump bei einem gemeinsamen Auftritt mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Er werde jedoch zulassen, dass die Gespräche fortgesetzt würden.
Märkte reagieren scharf: Dax fällt, Ölpreise steigen
Der deutsche Aktienmarkt reagierte mit deutlichen Verlusten auf Trumps Ankündigung. Der Dax lag am Vormittag mehr als zwei Prozent im Minus und fiel unter die Marke von 25.000 Punkten. In den vergangenen Tagen hatte der deutsche Leitindex mehrere Rekorde markiert, die Bewegung am Mittwoch kostete ihm jedoch alle im Juli erzielten Gewinne. Parallel dazu stiegen die Ölpreise deutlich an. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent zur Lieferung im September lag bei 78,50 Dollar – ein Plus von etwa sechs Prozent und gleichzeitig der höchste Stand seit dem 22. Juni.
Angriffe auf den Iran: US-Militär meldet über 80 getroffene Ziele
Das US-Militär hatte nach eigenen Angaben über 80 Ziele im Iran angegriffen und die Attacken inzwischen beendet. Die Streitkräfte hätten unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus getroffen, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom mit. Damit sei die Fähigkeit des Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören. Medienberichten zufolge waren die Angriffe vier- bis fünfmal stärker als Attacken vor rund anderthalb Wochen. Iranische Medien berichteten von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt. Die iranischen Revolutionsgarden meldeten den Tod eines Mitglieds: Ein Soldat der Flugabwehr sei in der Stadt Mahschahr in der Provinz Chusestan getötet worden.
Nato-Generalsekretär Rutte verteidigt US-Angriffe als „absolut notwendig“
Nato-Generalsekretär Mark Rutte verteidigte die neuen US-Angriffe auf den Iran nach Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus. Die US-Reaktion sei „absolut notwendig“ gewesen, sagte Rutte beim Nato-Gipfel in Ankara. Wenn Iran gegen den Waffenstillstand verstoße, wie man dies mit Angriffen auf Schiffe gesehen habe, „ist eine entschiedene Reaktion der USA unerlässlich“, ergänzte der Nato-Chef. Rutte versuchte zudem, Zweifel an der Bündnistreue von US-Präsident Donald Trump zu zerstreuen. „Es gibt ein uneingeschränktes Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur Nato“, sagte er vor dem Beginn einer Arbeitssitzung der Staats- und Regierungschefs.
Trauerzug für Chamenei im Irak: Tausende demonstrieren gegen USA und Israel
Die tagelangen Trauerprozessionen für Irans getöteten obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei haben das Nachbarland Irak erreicht. Tausende Menschen erwiesen in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf Chamenei am Mittwoch die letzte Ehre. Während sein Sarg auf einem Lastwagen durch die Straßen gefahren wurde, riefen die Trauernden „Tod Amerika“ und „Tod Israel“. Neben irakischen und iranischen Flaggen waren in der Menge auch die Banner einflussreicher, von Teheran unterstützter irakischer Milizen zu sehen. Die sogenannten Volksmobilisierungskräfte (PMF), ein Bündnis aus vorwiegend schiitischen und Iran-treuen Milizen im Irak, meldete gewaltige Teilnehmerzahlen. Zum Trauerzug in Nadschaf seien mehr als zwei Millionen Menschen erschienen, teilten die PMF mit. Eine Bestätigung aus anderen Quellen für diese Zahlen gab es nicht, der Andrang war Bildern zufolge aber enorm.
Libanons Präsident reist nach Washington – Erdogan lobt Trump
US-Präsident Donald Trump hat den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun zu einem Besuch am 21. Juli nach Washington eingeladen. Beide wollen sich zu einem bilateralen Gespräch im Weißen Haus treffen, wie ein hochrangiger US-Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Aoun selbst teilte in einem X-Post des Präsidentschaftsbüros mit, er erwarte von seinem bevorstehenden Besuch in Washington positive Auswirkungen auf den Libanon. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lobte unterdessen die entschlossene Haltung Trumps bei den Bemühungen um einen dauerhaften Frieden mit dem Iran. Dies sagte Erdogan zur Eröffnung des Nato-Gipfels in Ankara, kurz nachdem Trump das vorläufige Waffenstillstandsabkommen für beendet erklärt hatte. Zudem dankte der türkische Staatschef den Verbündeten Deutschland, Spanien, Italien und den USA für die Unterstützung bei der Luftabwehr während des Iran-Krieges.
Raketenalarm in Kuwait und Bahrain – Iran droht mit Reaktion
Nach den US-Angriffen auf Ziele im Iran hat Kuwait am Mittwoch seine Flugabwehr aktiviert. Die Mitteilung des kuwaitischen Militärs erfolgte, nachdem auch Bahrain von anfliegenden Geschossen berichtet hatte. Den Angaben zufolge fing die Flugabwehr zwei ballistische Raketen und 13 Drohnen aus dem Iran ab. Das Elektrizitätsministerium teilte mit, dass mehrere Stromleitungen durch Granatsplitter beschädigt worden seien. Der Iran hat nach den jüngsten US-Angriffen mit einer Reaktion gedroht. Das iranische Oberkommando der Streitkräfte erklärte, es werde „entschlossen auf diese Aggression und diesen terroristischen Akt reagieren“. „Unter keinen Umständen werden die iranischen Streitkräfte eine Einmischung in Angelegenheiten der Straße von Hormus zulassen oder anderen gestatten, sie zu kontrollieren“, hieß es weiter. „Die Zeit der Einschüchterung und Erpressung ist vorbei“, schrieb der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf auf der Plattform X. „Sie führt zu nichts. Wir knicken nicht ein.“
Amnesty International fordert Druck auf Iran – Wadephul setzt auf Diplomatie
Sechs Monate nach der blutigen Niederschlagung der Proteste im Iran hat Amnesty International weltweiten Druck auf die Regierung in Teheran gefordert. „Die internationale Gemeinschaft hat es versäumt, die Verbrechen gegen die iranische Bevölkerung aufklären zu lassen und sich glaubhaft für eine internationale Strafverfolgung einzusetzen“, sagte Julia Duchrow, Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation in Deutschland. Amnesty International appellierte in einer Mitteilung an die internationale Gemeinschaft, „die systemische Straflosigkeit und Menschenrechtskrise“ im Iran auf die Agenda zu setzen. Bundesaußenminister Johann Wadephul betrachtet die Diplomatie um eine Beendigung des Konflikts trotz der jüngsten US-Angriffe noch nicht als gescheitert. Der Iran müsse aber jetzt wirklich verstehen, dass es Zeit für ernsthafte Verhandlungen sei, sagte der CDU-Politiker dem Sender NDR Info. Die iranische Führung habe noch immer nicht verstanden, dass sie darauf verzichten müsse, „eine nukleare Bewaffnung zu haben“, sagte Wadephul.



