Die ukrainische Armee hat in der Nacht zum Freitag einen gezielten Angriff auf die Rüstungsfabrik Titan-Barrikady in der russischen Millionenstadt Wolgograd durchgeführt. Wie Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien mitteilte, wurden dabei Marschflugkörper des Typs Flamingo eingesetzt. Die Anlagen des Betriebs seien getroffen und in Brand gesetzt worden.
Zehn Verletzte bei Angriff auf Rüstungsbetrieb
Der Gouverneur der Region Wolgograd, Andrej Botscharow, bestätigte Schäden an den Produktionsanlagen eines Unternehmens, machte aber keine genauen Angaben zur produzierten Rüstung. Nach seinen Angaben wurden mindestens zehn Menschen verletzt. Er sprach von angreifenden Flugobjekten mit Hochgeschwindigkeit, womit die Marschflugkörper gemeint sind. Mehrere lokale Brände seien gelöscht worden, Wohngebäude seien nicht betroffen gewesen.
Fabrik produziert Komponenten für Raketenkomplexe
Medienberichten zufolge stellt Titan-Barrikady Komponenten für die Raketenkomplexe Iskander, Jars und Topol-M her, die prinzipiell auch Atomwaffen tragen können. Zudem soll die Fabrik an der Produktion der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik beteiligt sein, die als schwer abwehrbar gilt und im gesamten Krieg erst dreimal zum Einsatz kam.
Ukraine verstärkt Angriffe auf strategische Ziele
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. In den vergangenen Monaten hat sie sich verstärkt auf Attacken gegen strategisch wichtige Objekte im russischen Hinterland verlegt – zumeist mit Drohnen, mehrfach auch mit den selbst entwickelten Marschflugkörpern Flamingo. Dabei zielen die Ukrainer neben Militäreinrichtungen und Rüstungsbetrieben auch auf Anlagen der Ölindustrie.
Ausnahmezustand auf der Krim
Am Freitag hat die russische Verwaltung auf der besetzten ukrainischen Halbinsel Krim wegen der Angriffe den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Krim meldet seit Wochen Treibstoffprobleme. Auch Russland greift die Ukraine weiter an: Wie die Onlinezeitung Ukrajinska Prawda berichtet, setzte die russische Armee in der Nacht mehr als 129 Drohnen ein, wovon die Ukraine laut offiziellen Angaben 113 abwehren konnte. Bei russischen Attacken in den Regionen Cherson und Saporischschja seien am Vortag 44 Personen verletzt und eine Person getötet worden.
Selenskyj erneuert Friedensvorschlag
Präsident Selenskyj teilte am Freitag mit, sein Land habe Moskau erneut einen Vorschlag für Verhandlungen und eine Friedenslösung übermittelt. In der Vergangenheit hatte Russlands Machthaber Wladimir Putin keine Anstalten gemacht, seinen Krieg ernsthaft zu beenden, und beharrte stattdessen auf seinen Invasionszielen.



