Das US-Militär hat seine jüngste Angriffswelle gegen den Iran für beendet erklärt. Dabei seien rund 90 Ziele angegriffen worden, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando Centcom am Donnerstag mit. Veröffentlicht wurden Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die offenbar Angriffe auf eine Start- und Landebahn sowie auf Raketenabschussanlagen zeigen. „Die US-Streitkräfte bleiben wachsam, schlagkräftig und bereit, auf Anweisung des Oberbefehlshabers Einsätze auszuführen“, hieß es weiter.
Bahrain und Kuwait erneut unter Beschuss
Nach dem Start der neuen Angriffswelle der USA gegen den Iran hat Bahrain am Donnerstagmorgen zum zweiten Mal Raketenalarm ausgelöst und vor einem iranischen Angriff gewarnt. Es war zunächst unklar, ob es in Bahrain, Kuwait oder Katar Schäden gegeben hatte. Alle drei Staaten hatten am Donnerstagmorgen Alarm ausgelöst. Bereits am Mittwoch hatte der Iran Angriffe auf Bahrain und Kuwait gestartet, als Reaktion auf eine frühere Welle von US-Luftangriffen gegen den Iran.
Kuwait geriet laut örtlichen Armeeangaben in der zweiten Nacht in Folge unter Beschuss. Die Luftabwehr wehre feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die Armee auf der Plattform X mit. Auch in Bahrain heulten die Sirenen. Die Bevölkerung solle sich in Sicherheit bringen und ruhig verhalten, teilte das Innenministerium mit. Bahrain und Kuwait beherbergen US-Militärbasen, die nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt liegen.
US-Angriffe auf Eisenbahnbrücke im Iran
Das US-Militär hat Medienberichten zufolge auch eine Eisenbahnbrücke im Nordosten des Irans bombardiert. Mehrere Geschosse hätten die in der Provinz Golestan gelegene Brücke getroffen, berichtete der Staatssender Irib auf X. Nach Angaben des regierungstreuen Senders Press TV ist es der erste Angriff in der Region seit Beginn der Waffenruhe im April. Der Journalist Barak Ravid schrieb auf X unter Berufung auf einen US-Beamten, dass zwei Eisenbahnbrücken bombardiert worden seien.
Pakistan rief die USA und den Iran zur Zurückhaltung auf. „Ein erneuter Konflikt liegt in niemandes Interesse“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Eine nächste Verhandlungsrunde sei wieder in Pakistan möglich, auch Doha sei im Gespräch. Es gebe „keine Alternative“ zu einem fortgesetzten Dialog.
Trump: Iran will unbedingt ein Abkommen
US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran wolle weiterhin ein Friedensabkommen. „Sie haben vor kurzem angerufen, sie wollen unbedingt ein Abkommen abschließen“, behauptete Trump auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel. Er sei sich nicht sicher, ob sie eines Abkommens würdig seien. Auf die Frage, warum die iranische Führung Handelsschiffe angreife, sagte Trump: „Weil ... sie etwas verrückt sind.“
Trump drohte dem Iran mit noch heftigeren Angriffen. Die Attacken seien Vergeltungsmaßnahmen für vom Iran beschossene Schiffe. „Sollte sich so etwas wiederholen, wird es noch viel schlimmer kommen!“ Das US-Militär hatte zuvor eine neue Welle von Angriffen gestartet, um die Fähigkeit Teherans einzuschränken, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu beeinträchtigen.
Explosionen im Iran und Todesfälle
Nach Beginn der neuen Angriffswelle meldeten örtliche Medien Explosionen in mehreren Gebieten entlang der Küste. Unter anderem gab es Detonationen in Bandar Abbas, Buschehr und auf der Insel Abu Musa. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete, Gebäude am Flughafen der Stadt Iranschahr seien beschädigt worden, ein Feuerwehrmann sei getötet worden. Iranische Medien berichteten zudem, bei US-Angriffen im Süden des Iran seien acht Militärs getötet worden, darunter Angehörige der Luftwaffe und der Marine.
Trump droht mit Angriffen auf zivile Infrastruktur
Trump drohte dem Iran mit Angriffen auf zivile Infrastruktur und der Einnahme der Insel Charg, die für die iranische Ölindustrie wichtig ist. Beide Drohungen hatte er bereits in früheren Phasen des Krieges geäußert. Wenn die USA dazu gezwungen seien, würden sie die iranischen Kraftwerke und Meerwasserentsalzungsanlagen zerstören. „Vielleicht übernehmen wir die Insel Charg“, sagte Trump.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte an, die neuen Angriffe würden noch stärker und intensiver ausfallen. Das sei die „Konsequenz“ aus dem Verhalten des iranischen Regimes. Trump bezeichnete die Wortführer im Iran als „böse, krank und mental kranke Menschen“.
Auswirkungen auf Märkte und Diplomatie
Der Dax weitete seine Verluste aus und fiel unter die Marke von 25.000 Punkten. Der Ölpreis stieg deutlich an: Ein Barrel der Sorte Brent zur Lieferung im September kostete 78,50 Dollar, ein Plus von etwa sechs Prozent und der höchste Stand seit dem 22. Juni.
Bundesaußenminister Johann Wadephul betrachtet die Diplomatie noch nicht als gescheitert. Der Iran müsse jetzt wirklich verstehen, dass es Zeit für ernsthafte Verhandlungen sei. Die iranische Führung habe noch nicht verstanden, dass sie auf eine nukleare Bewaffnung verzichten müsse.
Weitere Entwicklungen
Libanons Präsident Joseph Aoun wurde von Trump zu einem Besuch am 21. Juli nach Washington eingeladen. Der türkische Präsident Erdogan lobte Trumps entschlossene Haltung im Iran-Konflikt. Tausende Menschen begleiteten im Irak den Trauerzug für den getöteten iranischen Führer Ajatollah Ali Chamenei. Die Volksmobilisierungskräfte meldeten mehr als zwei Millionen Teilnehmer in Nadschaf.



