Vatikan schließt Piusbruderschaft endgültig aus der katholischen Kirche aus
Vatikan schließt Piusbruderschaft aus Kirche aus

Ein jahrzehntelanger Streit ist mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen: Die ultrakonservative Piusbruderschaft ist endgültig aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden. Der Vatikan bestätigte am Donnerstag förmlich die Exkommunikation von sechs Männern, die sich am Mittwoch an einer vom Papst verbotenen Bischofsweihe der Bruderschaft in der Schweiz beteiligt hatten. Da diese Weihe nach Kirchenrecht einen spalterischen (schismatischen) Akt darstellte, folgte nun der Kirchenausschluss.

Kardinal Fernández warnt vor Schisma

Der oberste Glaubenshüter des Papstes, Kardinal Víctor Fernández, sprach in einer „erklärenden Note“ eine weitgehende Warnung an alle aus, die sich den „Schismatikern“ der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. (SSPX) anschließen; auch sie wären dann schismatisch. Dies betrifft alle Geistlichen der Gemeinschaft sowie alle Nichtpriester, die sich ihr formal anschließen. Damit wiederholt der Vatikan eine erweiterte Einschätzung der Exkommunikation, die er bereits am 24. August 1996 mitgeteilt hatte. Damals hatte der Päpstliche Rat für die Auslegung der Gesetzestexte unter Kardinal Julian Herranz entschieden: Die 1988 gegen Erzbischof Marcel Lefebvre und die von ihm unerlaubt geweihten Bischöfe ausgesprochene Exkommunikation erstreckt sich auch auf die Priester der Bruderschaft sowie all jene, die ihr formal beitreten.

Graubereich und Zugeständnisse aufgehoben

Trotz dieser Erklärung lebten viele Anhänger der Piusbruderschaft danach noch in einem kirchenrechtlichen Graubereich am Rand der katholischen Kirche. Nachdem Benedikt XVI. 2009 die Exkommunikation der Pius-Bischöfe aufhob, hatten die Priester und Anhänger der Bruderschaft einen kirchenrechtlich ungeklärten Status, waren aber wieder innerhalb der katholischen Kirche. Hinzu kam eine Verfügung von Papst Franziskus 2016, wonach Beichten und Eheschließungen unter Mitwirkung von Priestern der Piusbrüder gültig seien. Diese Zugeständnisse hat der Vatikan nun förmlich aufgehoben. Er unterstrich die bereits 1996 erklärte Ausweitung der Exkommunikation auf Priester und Mitglieder der Piusbruderschaft. Zugleich betont er, die Kirche heiße alle willkommen, die zur vollen Gemeinschaft zurückkehren möchten. Dazu hielten die päpstlichen Nuntien entsprechende Verfahren bereit.

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Ermahnung an Gläubige

Der Vatikan ermahnte alle Gläubigen, in Gemeinschaft mit dem Papst und der ganzen Kirche „standhaft zu bleiben“ und sich der Teilnahme an den Feiern und Aktivitäten der Piusbruderschaft zu enthalten. Unterzeichnet ist das Dekret von Kardinal Fernández als Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde, vom Sekretär der Lehrabteilung, Armando Matteo, sowie von John J. Kennedy als Sekretär der Disziplinarabteilung.

Hintergrund: Gründung und Ablehnung von Reformen

Die Piusbrüder wurden 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) gegründet. Die Bruderschaft lehnt die gefassten Kirchenreformen ab. Sie sind gegen die Anerkennung der Religionsfreiheit und des ökumenischen Dialogs mit anderen Kirchen. Zudem beharren sie auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit rund 800 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich. Viele von ihnen wurden zwischen 2009 und 2026 geweiht, als die Bischöfe der Bruderschaft nicht exkommuniziert waren. Ferner sind zahlreiche Ordensfrauen assoziierte Mitglieder der Bruderschaft. Mehrere hunderttausend Menschen besuchen regelmäßig Gottesdienste der Piusbrüder in deren Kirchen und Kapellen.

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