Außenminister Wadephul: Instagram-Star entlarvt Putins Lügen
Wadephul als Instagram-Star: So entlarvt er Putins Lügen

Außenminister Johann Wadephul: Vom Erklärbär zum Social-Media-Star

New York/Berlin. Instagram und TikTok sind für Johann Wadephul mehr als nur Unterhaltung: Der Außenminister hat sich zu einem Social-Media-Star entwickelt. Mit 348.000 Followern auf Instagram und 167.000 auf TikTok bietet er eine Mischung aus Wissen und Unterhaltung. Sein Erfolgsgeheimnis? Er erklärt komplexe Außenpolitik auf verständliche Weise und entlarvt dabei Putins Lügen.

In einem Video im Regierungsflieger wirft Wadephul eine 1-Euro-Münze und sagt: „Auf dieser Münze fehlen ein paar Länder, und das wollen wir ändern.“ Die Münze kommt vor der Kamera zum Stehen, die Europakarte ist zu erkennen – ein visueller Trick, der zum Thema Westbalkan-Beitritt führt. Die Länder des Westbalkans befinden sich im EU-Beitrittsprozess, und Wadephul bricht das komplizierte Verfahren für seine Zuschauer herunter.

Das Video aus dem Regierungs-Airbus beschreibt die Bedeutung einer Westbalkan-Konferenz in Belfast. Schnelle Schnitte zeigen die Staats- und Regierungschefs von Albanien, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, jeweils mit Landesflagge und EU-Flagge sowie einem Handschüttel-Emoji. Der Text dazu betont: „Gerade in einer Zeit der Desinformation durch Russland und China dürfen die Menschen auf dem Westbalkan das Vertrauen in eine europäische Zukunft nicht verlieren.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wadephuls Social-Media-Strategie: Authentisch und informativ

Der 63-Jährige ist mehr als nur ein nüchterner Erklärbär. Mit 311.000 Likes für sein Westbalkan-Video zeigt er, dass er die Plattformen versteht. Nach dem Bundeskanzler (763.000 Follower) ist er das erfolgreichste Kabinettsmitglied auf Instagram. Er konkurriert gegen Katzenvideos, wie ein Insider sagt, und bietet eine Mischung aus ernster Außenpolitik und unterhaltsamem Content.

Die Bewerbung Deutschlands um einen nicht ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat begleitete er mit Videos, die die Bedeutung des Postens hervorhoben. Nach dem Scheitern Anfang Juni postete Wadephul ein Schwarz-Weiß-Video, in dem er und sein Team lange Gesichter machen – ein ehrlicher Umgang mit der Enttäuschung. Dann wechselt das Video in Farbe, zeigt Treffen mit Politikern und Bürgern, und endet mit „Wir machen weiter!“.

Format gegen Kreml-Lügen besonders beliebt

Eines der beliebtesten Formate ist „Ist russische Desinformation immer noch so verrückt?“. Darin tritt Wadephul mit einem internationalen Amtskollegen auf, ein absurdes Statement aus dem russischen Staatsfernsehen wird eingeblendet, gefolgt von den Fakten – etwa dass Russland die selbst verkündete Waffenruhe zu Ostern 2229-mal gebrochen hat. Beide sagen trocken „Ja!“ in die Kamera. Das Format entzaubert Putins Lügen und zeigt, dass das Auswärtige Amt sie ernst nimmt.

Wadephuls Account lebt von schnellen Schnitten und KI-generierten Bildern. In einem Video blickt er zurück, wie Friedrich Merz ihn fragte, ob er Außenminister werden wolle – im Graphic-Novel-Stil mit Comic-Figuren. Politikberater Martin Fuchs lobt: „Wadephul nimmt die Bürger ernst, greift ihre Themen auf, bleibt aber authentisch und nahbar. Er betreibt unkonventionelle digitale Kommunikation auf dem schmalen Grat zwischen Cringe und Notwendigkeit.“

Der Außenminister zeigt auch die Schattenseiten des Jobs: Er blättert frühmorgens Akten durch, äußert Besorgnis über Konflikte. Bisher hat er nicht im Amt geweint, anders als seine Vorgängerin Annalena Baerbock. Intern mag es Kritik am Stil geben, doch Fuchs urteilt: „Die Accounts sind seriös geführt, Inhalte stehen im Fokus, nicht der Klamauk.“ Angesichts russischer KI-Bots, die Fake-News-Kampagnen lostreten können, ist das die beste Wahl.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration