Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ist Geschichte. Spanien besiegte Argentinien im Finale mit 1:0. Doch das Turnier hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Es war ein Turnier der Widersprüche, geprägt von politischen Verstrickungen, kommerzieller Hyperexpansion und einer zunehmenden Beliebigkeit des Sports. FIFA-Präsident Gianni Infantinos Vision, den Fußball zu vereinen, scheiterte an den eigenen Widersprüchen.
Politik und Fußball: Eine unheilvolle Allianz
Die politische Dimension war allgegenwärtig, wenn auch oft unsichtbar. US-Präsident Donald Trump mischte sich spektakulär ein, als er die Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun zurücknehmen ließ. Die FIFA zeigte sich willfährig. Auch die argentinischen Falkland-Botschaften nach dem Sieg gegen England blieben ungeahndet, während Haiti gezwungen wurde, ein umstrittenes Kriegsmotiv vom Trikot zu entfernen. Die Posse um die Einreise des somalischen Schiedsrichters Omar Artan und die Verbannung des iranischen Teams nach Mexiko zeigten die Machtverhältnisse. „Die FIFA war hörig“, kommentierte der Journalist Stephan Uersfeld. „Wenn sie intervenieren wollten, machten sie das eben.“
Fan-Kultur und Kommerz
Die Fans hingegen feierten eine Weltausstellung der Kulturen. Norweger, Brasilianer, Schotten – sie alle brachten Leben in die Städte. Die reaktionären TV-Kanäle wie FOX nutzten diese Bilder für Propaganda, um die USA als Land der Freiheit zu inszenieren. Infantino selbst badete in den sozialen Medien in der vermeintlichen Einheit. Doch die FIFA verkaufte Rekorde: 104 Spiele, 48 Nationen, mehr Zuschauer als je zuvor. Die Hyperexpansion führte zu einer Inflation der Spiele. „Der Grad der Beliebigkeit steigt mit zunehmender Teilnehmerzahl“, so Uersfeld. „Es bleiben Häppchen, schnell konsumiert und ebenso bald vergessen.“
Sportliche Enttäuschungen und Kontroversen
Sportlich war die WM von kontroversen Schiedsrichterentscheidungen geprägt. Viele Spiele waren brutal, die Unparteiischen agierten passiv und schützten oft die großen Nationen. Das deutsche Team schied bereits im Sechzehntelfinale aus, nachdem ein vermeintlicher Siegtreffer von Jonathan Tah gegen Paraguay aberkannt worden war. Thomas Tuchel erlebte mit England ein Drama: Im Halbfinale gegen Argentinien führten die Three Lions bis zur 85. Minute 1:0, verloren dann aber noch 1:2. Im Spiel um Bronze besiegte England Frankreich spektakulär mit 6:4. „Es war ein Turnier, das niemand so richtig greifen konnte“, resümierte Uersfeld.
Die Zukunft des Fußballs
Infantinos Markenbildung gelang: Die WM wurde in den USA als „The FIFA“ wahrgenommen. Doch der Preis ist hoch. Die Einzigartigkeit des Turniers leidet unter der Masse. „Die FIFA beraubt den Fußball der Einzigartigkeit und macht dabei große Geschäfte“, so der Autor. Für die Zukunft bleibt ein Gefühl der Überforderung. Nichts ist mehr kontrollierbar. Der Fußball ist da, aber nicht mehr greifbar.



