Ayyoub Bouaddi, das 18-jährige Supertalent mit marokkanischen Wurzeln, steht im WM-Viertelfinale gegen sein Geburtsland Frankreich. Der Mittelfeldspieler des OSC Lille hatte sich im Mai für einen Verbandswechsel entschieden, nachdem er von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps nie für die A-Mannschaft berücksichtigt worden war. Nun spielt er für Marokko ein herausragendes Turnier.
Zinedine Zidane versuchte vergeblich, Bouaddi zu halten
Selbst Zinedine Zidane, der als designierter Nachfolger von Deschamps gilt, konnte Bouaddi nicht umstimmen. Der einstige Weltfußballer suchte das Gespräch mit dem Teenager, um ihn von einem Verbleib bei der Équipe Tricolore zu überzeugen. Doch da Zidane noch nicht im Amt ist, konnte er keine Garantien geben – Bouaddi, ein Freund von Fakten, zog die logische Konsequenz.
Der in Creil bei Paris geborene Bouaddi durchlief alle französischen Jugendnationalteams ab der U16, wurde aber nie für die A-Mannschaft nominiert. Auch bei großen Jugendturnieren fehlte er. „Er war der Schüler, von dem man nur träumen kann: in jeder Hinsicht Spitzenklasse, ein Jahr voraus, 18,5 im Notendurchschnitt“, erinnert sich sein ehemaliger Sportlehrer am Collège des Bourgognes laut L’Équipe. Mittlerweile absolviert Bouaddi ein Fernstudium in Mathematik an der Universität Marseille.
Herausragende Leistungen gegen Brasilien
Unter Marokkos Trainer Mohamed Ouahbi, der sich intensiv für den Verbandswechsel eingesetzt hatte, glänzte Bouaddi bereits im ersten Gruppenspiel gegen Brasilien. Er ließ Stars wie Casemiro, Lucas Paquetá und Bruno Guimarães alt aussehen. „Gegen Spieler wie Casemiro, Lucas Paquetá und Bruno Guimarães zeigte er nicht nur Qualität, sondern auch Persönlichkeit – eine Art positive Arroganz“, lobte Hassan Kachloul, ehemaliger marokkanischer Nationalspieler, gegenüber BBC Sport.
Bouaddi überzeugt mit Dribbelstärke, Übersicht und einer außergewöhnlichen Ruhe am Ball. Intern wird der 18-Jährige bereits „Le Chef“ genannt. Seine Abgeklärtheit könnte auf frühe Erfahrungen zurückgehen: Mit 16 gewann er einen Redekunstwettbewerb zum Thema „Ist das Ergebnis wichtiger als die Methode?“ und erhielt den Preis von Brigitte Macron im Élysée-Palast. Zudem debütierte er drei Tage nach seinem 16. Geburtstag als jüngster Spieler in der Geschichte des Europapokals und erregte ein Jahr später beim Champions-League-Sieg gegen Real Madrid endgültig Aufmerksamkeit.
Marokkos hohe Erwartungen
Marokko, das nach dem WM-Halbfinale 2022 und dem Afrika-Cup-Sieg im Januar 2023 unter Druck steht, hofft auf Bouaddis Führungsqualitäten. Im Viertelfinale am Donnerstagabend (22 Uhr, ARD und MagentaTV) trifft er ausgerechnet auf sein Geburtsland. Sollte Bouaddi eine erneute Glanzleistung zeigen, könnte Frankreich den Verlust seines größten Talents teuer bereuen. Europäische Spitzenklubs stehen bereits Schlange, doch Bouaddi könnte auch das Schicksal anderer WM-Entdeckungen wie James Rodríguez ereilen – oder eine Weltkarriere starten.



