Gegen China gewinnen – das zählt zu den Top-Prioritäten von US-Präsident Donald Trump. Zumindest behauptet er das. Denn die Effekte seiner Politik sprechen eine andere Sprache. Während Trump mit destruktiven Maßnahmen wie dem Iran-Krieg militärische Ressourcen und diplomatisches Kapital verspielt, eröffnen sich für Peking neue Räume, um seinen wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss auszubauen.
China gewinnt an Ansehen – auf Kosten der USA
In einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center wird China in den meisten der 36 befragten Länder inzwischen positiver bewertet als die USA. Darunter sieben EU-Staaten, einschließlich Deutschland. Die Ergebnisse sind ein Misstrauensvotum gegen Trump, offenbaren aber auch einen strategischen Erfolg Chinas. Im Gegensatz zum chaotischen, aufbrausenden US-Kurs wirkt das chinesische Auftreten besonnen. In aller Ruhe lässt China die USA die Rolle des Buhmanns der internationalen Ordnung ausfüllen.
Pekings strategische Geduld
Xi Jinping setzt auf strategische Geduld. Über Jahre hat er den chinesischen Einfluss weltweit methodisch ausgebaut: durch Investitionen in kritische Infrastruktur, Netzwerke und Desinformation. Er hat gezielt Abhängigkeiten geschaffen, um sie zum geeigneten Zeitpunkt als Trumpf auszuspielen. Peking hat nicht aufgehört, Regimekritiker zu inhaftieren, Minderheiten zu unterdrücken und Nachbarn zu bedrohen. Gleichzeitig inszeniert es sich als vermeintlicher Hüter der regelbasierten Ordnung – der regelmäßig Seerecht bricht und die Vereinten Nationen unterwandert, etwa durch die Gründung paralleler Strukturen wie der Globalen Sicherheitsinitiative. Nur ohne öffentliches Getöse, im Gegensatz zu Trump und seinem „Board of Peace“.
Europas späte Härte
Europa hat gegenüber China lange zahm und zögerlich gehandelt. Es hat die chinesische Bedrohung für die eigene Wirtschaft abgetan und verharmlost – mit einer gehörigen Portion Hochmut. Dafür bezahlt Europa jetzt den Preis. Das Handelsbilanzdefizit der EU mit China hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 2025 lag es bei rund 360 Milliarden Euro. Das soll sich nun ändern. Die EU-Kommission hat sich im Juni von den Mitgliedstaaten ein Mandat für eine wesentlich härtere Handelspolitik gegenüber Peking geben lassen.
Der Hebel Europa
Die Ausgangslage ist dabei besser, als es die Dauerklage über die eigene Abhängigkeit vermuten lässt: China leidet unter eigenen Überkapazitäten, die der heimische Markt nicht annähernd aufnehmen kann. Der Absatzmarkt Europa ist für Pekings wirtschaftlichen Erfolg mindestens so wichtig wie umgekehrt. Genau das ist der Hebel, den Brüssel bislang kaum genutzt hat. Die Pew-Umfrage kommt daher zu einem kritischen Zeitpunkt. Eine härtere Gangart gegenüber Peking durchzusetzen, wird ungleich schwerer, wenn die eigene Bevölkerung die Gefahr, die von China ausgeht, immer weniger als solche wahrnimmt.
Widerstand aus Deutschland
Peking wird den europäischen Kurswechsel nicht unquittiert lassen. Es wird Gegenmaßnahmen gegen europäische Unternehmen in China ergreifen und durch gezielte Desinformation die öffentliche Meinung gegen die Maßnahmen anstacheln. Bei einigen Akteuren wird dies auf fruchtbaren Boden fallen – allen voran der AfD. Sie fordert ein Ende der EU-Sanktionen und lehnt die Bezeichnung Chinas als „systemischen Rivalen“ ab. Umso wichtiger ist es, die schwerwiegenden Folgen weiterer Untätigkeit gegenüber der Bevölkerung deutlich zu benennen. Aus der deutschen Politik ist das bislang nur vereinzelt zu hören. Auch gibt es seitens der Bundesregierung bislang keine klare China-Strategie. Berlin reagiert hauptsächlich auf Impulse, etwa aus Frankreich oder aus der EU-Kommission.
Deutschlands Schlüsselrolle
Dabei spielt Deutschland als größte Volkswirtschaft der EU hier eine entscheidende Rolle. Europas Kurswechsel ist kein Selbstläufer. Berlin muss von der Bremse zum Antrieb einer härteren Gangart werden. Trump will gegen China gewinnen, sagt er. Europa muss sich entscheiden, ob es zum Mitspieler wird. Wenn es weiter abwartet, hat es bereits verloren.



