Dürre in Europa: Hitze gefährlicher als fehlender Regen – neue Studie
Dürre in Europa: Hitze gefährlicher als fehlender Regen

Eine neue Studie der World Weather Attribution (WWA) kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Dürre in Europa ohne die vom Menschen verursachte Erderwärmung deutlich schwächer ausgefallen wäre – oder gar nicht erst eingetreten wäre. Die Forschenden warnen, dass sich solche Extremereignisse künftig häufen, wenn die globale Erwärmung ungebremst weitergeht.

Rekordtiefe Abflüsse an Rhein und Donau

An den Pegeln von Rhein und Donau wurden für Juli so niedrige Abflüsse registriert wie noch nie, berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD). Einzig die Oder verzeichnete zuletzt einen nennenswerten Aufwärtstrend – der aber inzwischen wieder vorbei ist. Besonders groß ist das Niederschlagsdefizit im Südwesten Deutschlands.

Weniger als 0,05 Liter pro Quadratmeter Regen fielen heute Morgen in Berlin – das verdunstet, bevor es im Boden ankommt. „Endlich Regen!“, mag man denken, doch es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

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Hitze als Haupttreiber der Dürre

Wissenschaftler:innen aus zwölf Ländern, darunter auch Forschende des DWD, waren an der Untersuchung beteiligt. Ihr wichtigstes Ergebnis: Während sich langfristige Niederschlagstrends regional unterschiedlich entwickeln, treibt die durch den Klimawandel verschärfte Hitze die Dürre in Europa voran. Die extreme Hitze entzieht dem Boden schneller Feuchtigkeit, weil sie die Verdunstung beschleunigt.

Der Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit für eine derart hitzebedingte Verdunstung in Westeuropa zwischen April und Juni um das 80-Fache erhöht. In Osteuropa stieg sie zwischen Januar und Juni um etwa das 40-Fache.

Landwirtschaft besonders betroffen

Bodendürre in der Landwirtschaft ist der Studie zufolge in Westeuropa heute wegen des Klimawandels rund fünfmal so wahrscheinlich. In Osteuropa, wo die Trockenheit bereits seit sechs Monaten anhält, ist sie auf landwirtschaftlichen Flächen sogar rund elfmal so wahrscheinlich.

„Das Klima in Europa verändert sich rasant“, sagt Sarah Kew, Klimawissenschaftlerin beim niederländischen Wetterdienst KNMI und Studienautorin. „Extreme Hitze wird zunehmend zum Hauptfaktor für Dürren in Europa.“

Studienautor Dominik Schumacher von der ETH Zürich weist auf die verstärkte Bodentrocknung bereits im Frühjahr hin: „Steigende Temperaturen erhöhen den ,Durst’ der Atmosphäre rasch und saugen Feuchtigkeit förmlich aus Flüssen, Seen und Böden.“

Auswirkungen auf Versorgung und Preise

Mariam Zachariah vom Imperial College London findet vor allem eines alarmierend: dass diese Bedingungen bereits bei einer globalen Erwärmung um 1,4 Grad auftreten, also knapp unterhalb der 1,5-Grad-Marke. „Ohne rasche und drastische Emissionssenkungen steuert Europa auf eine Zukunft zu, in der diese glühend heißen, trockenen Sommer immer wieder auftreten werden.“

Schon jetzt werden die Folgen absehbar: Ernteausfälle, niedrige Pegelstände und Engpässe in der Energieversorgung könnten die Preise für lebensnotwendige Güter weiter steigen lassen, so die Forschenden. Am stärksten betroffen wären dabei einkommensschwache Haushalte, so Merel Laauwen von der Wageningen University & Research. „Obwohl die Wissenschaft uns sagt, dass Dürren künftig häufiger und intensiver werden, schreibt die EU noch immer keine Dürremanagementpläne vor“, kritisiert er.

Aussichten: Kein Ende der Trockenheit in Sicht

Für ein Ende der Trockenheit bräuchte es jetzt großflächige und länger anhaltende Niederschläge. „Die sind allerdings nicht in Sicht“, schreibt DWD-Meteorologe Thore Hansen in einer aktuellen Analyse. In den kommenden zehn Tagen sind in Deutschland nur örtlich Schauer und Gewitter zu erwarten, flächendeckender oder ergiebiger Regen bleibt aus. Und auch für die letzten Julitage sieht es überwiegend trocken aus.

Am ehesten regnen dürfte es am Alpenrand sowie an Nord- und Ostsee. Anderswo werden meist weniger als 20, oft sogar weniger als zehn Liter pro Quadratmeter erwartet. „Das deckt nicht einmal die Verdunstung in diesem Zeitraum“, so Hansen. Und für Anfang August deutet sich in den Modellen bereits die nächste, möglicherweise extreme Hitzewelle an. Die Pegelstände der Flüsse dürften also weiter niedrig, die Böden trocken bleiben.

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