Kapitalgedeckte Rente: Rechnung zeigt, was wirklich rauskommt
Kapitalgedeckte Rente: Was wirklich rauskommt

Die Alterssicherungskommission hat vorgeschlagen, Teile der Rentenbeiträge erstmals am Kapitalmarkt anzulegen. Langfristig soll dieser Einstieg in die kapitalgedeckte Rente zu höheren Erträgen führen und das umlagefinanzierte gesetzliche Rentensystem stützen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nahm die Empfehlungen am Dienstagmorgen entgegen und kündigte an, die Vorschläge „als Gesamtkunstwerk vollständig in Gesetzessprache“ zu übersetzen. Er sprach von einer entscheidenden „Weichenstellung für die Zukunftsfähigkeit und Stabilität unseres Rentensystems“.

So funktioniert der Stufenplan zur Kapitalrente

Die Kommission hat einen Stufenplan vorgeschlagen, der ab 2028 beginnt. Zunächst sollen 0,5 Prozent des Bruttoeinkommens am Kapitalmarkt investiert werden. In drei weiteren Jahresschritten steigt der Satz um jeweils 0,5 Prozentpunkte. Ab 2031 werden dann monatlich 2 Prozent des Bruttoeinkommens in einen persönlichen Kapitalstock eingezahlt. Auch diesen Zusatzbeitrag teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Derzeit beträgt der Rentenbeitragssatz 18,6 Prozent vom Bruttogehalt – der zusätzliche Beitrag für die Kapitalrente kommt noch obendrauf.

Das Geld soll in einem Lebenszyklusportfolio mit 100 Prozent Aktien angelegt werden, das breit diversifiziert ist und sich am MSCI World und MSCI World all-country orientiert. Ab dem 52. Lebensjahr steigt der Anteil risikoärmerer Bundesanleihen, sodass mit 67 Jahren 55 Prozent Aktien und 45 Prozent Anleihen erreicht sind. In der Rentenphase wird das Kapital vollständig in eine lebenslange Leibrente umgewandelt. Die Kommission kalkuliert mit jährlichen Kosten von 0,1 Prozent des Portfoliowerts, ähnlich günstigen ETFs. Wer die Gelder verwaltet, ist noch unklar; denkbar ist der Fonds zur Finanzierung der langfristigen Atommülllagerung (Kenfo).

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Beispielrechnung: So viel Zusatzrente ist drin

Die Kommission geht von einer realen Durchschnittsrendite von 4,4 Prozent pro Jahr aus. Ein Durchschnittsverdiener, der 20 Jahre lang Beiträge zur Kapitalrente einzahlt, könnte rund 150 Euro Kapitalrente pro Monat erwarten. Wer mit 22 Jahren ins Berufsleben startet und 45 Jahre lang einzahlt, erhielte etwa 777 Euro monatlich. Diese Werte decken sich mit Berechnungen des Geldratgebers Finanztip.

Finanztip geht von einer Rendite von 6,4 Prozent in der Ansparphase und einer Entnahmedauer von 20 Jahren aus, bereits um eine jährliche Inflation von 2 Prozent korrigiert. Gerechnet wurde mit einem Bruttojahreseinkommen von 52.000 Euro. Bei einem Ansparzeitraum von 30 Jahren ergäbe sich ein Kapitalstock von rund 103.000 Euro (in heutiger Kaufkraft etwa 58.000 Euro). Daraus resultiert eine monatliche Zusatzrente von gut 300 Euro bei einem 20-jährigen Auszahlplan. Bei 40 Jahren Ansparhorizont wären es 525 Euro zusätzliche Altersabsicherung.

Experten: Zwei Prozent reichen nicht – zusätzlich vorsorgen

Finanztip-Chefredakteur Saidi Sulilatu lobte den Einstieg in die beitragsfinanzierte Kapitalrente grundsätzlich, betonte aber: „Zwei Prozent vom Brutto jährlich anzulegen, ist bei Weitem nicht ausreichend. Wir empfehlen 15 Prozent vom Netto. Das sind bei 50.000 Euro Jahresverdienst brutto eher 400 Euro monatlich und damit gut 4800 Euro pro Jahr.“ Er rät daher, weiterhin zusätzlich vorzusorgen, etwa über eine Betriebsrente oder privat. Die Bundesregierung hat dafür bereits das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot auf den Weg gebracht.

Christian Röhl, Chefvolkswirt der Investment-Plattform Scalable Capital, bezeichnete den Einstieg als „überfälligen Akt der wirtschaftlichen Vernunft“. Er sagte: „Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, bei der Zukunftssicherung auf die wohlstandsbildende Kraft der Kapitalmärkte zu verzichten.“

Kritik vom Sozialverband: Kapitalmarktrisiken in der ersten Säule

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) äußerte Kritik. Vorstandschefin Michaela Engelmeier erklärte: „Die gesetzliche Rente ist stark, weil sie solidarisch und umlagefinanziert ist. Eine verpflichtende Kapitalrente innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung verändert diesen Charakter und bringt Kapitalmarktrisiken in die erste Säule.“ Dieses Risiko bestehe im Umlagesystem nicht.

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