Wochenlang hat die Bundesregierung um ihre Steuerreform gerungen, die als größte Steuerreform seit über zwanzig Jahren angekündigt wurde. Herausgekommen ist ein unambitionierter Kompromiss, der viel über das Machtgefüge in der Koalition sagt – und für viele, insbesondere junge Menschen, folgenlos bleibt. Das ist das Fazit eines Kommentars von Felix Kiefer im Tagesspiegel.
Groß angekündigt, kaum geliefert
Die ursprünglichen Pläne sahen umfangreiche Entlastungen vor, doch der endgültige Kompromiss ist deutlich abgespeckt. Lars Klingbeil (SPD) bezeichnet die Entlastungen als „spürbar“, Friedrich Merz (CDU) als „respektabel“ und Markus Söder (CSU) immerhin als „schon etwas“. Diese verhaltenen Aussagen der Urheber selbst zeigen, wie es tatsächlich um die Reform bestellt ist.
Kaum Wirkung für junge Erwachsene
Für junge Menschen, die oft am Anfang ihrer Karriere stehen und geringere Einkommen haben, bleibt von der Reform so gut wie nichts übrig. Die geplanten Steuersenkungen greifen erst bei höheren Einkommen, sodass die Zielgruppe der unter 30-Jährigen kaum profitiert. Kritiker bemängeln, dass die Regierung hier eine Chance verpasst habe, gezielt diejenigen zu entlasten, die unter Inflation und hohen Lebenshaltungskosten besonders leiden.
Ein Spiegel der Koalitionsmacht
Der Kompromiss offenbart auch die internen Machtkämpfe der Koalition. Während die SPD auf soziale Gerechtigkeit pochte, setzten Union und FDP auf Entlastungen für Unternehmen und Gutverdiener. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich, der niemanden wirklich zufriedenstellt. „Die Koalition hat sich in ihren eigenen Grabenkämpfen verloren“, kommentiert Felix Kiefer. „Statt einer mutigen Reform gibt es einen Minimalkonsens, der den Namen Reform nicht verdient.“
Folgen für die nächste Generation
Besonders bitter ist dies für die Generation, die ohnehin mit unsicheren Arbeitsmärkten, hohen Mieten und der Klimakrise kämpft. Die Steuerreform hätte ein Signal sein können, dass die Politik ihre Sorgen ernst nimmt. Stattdessen bleibt sie symbolisch – und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Regierung schwindet weiter.
Der Kommentar endet mit der Feststellung: „Groß angekündigt, kaum geliefert – das ist die Bilanz dieser Steuerreform. Für junge Menschen bleibt sie folgenlos, und das ist ein Versagen der Politik.“



