Merz' Sommerlektüre: Papst-Enzyklika und DDR-Roman – was er daraus lernen kann
Merz' Sommerlektüre: Papst-Enzyklika und DDR-Roman

Bundeskanzler Friedrich Merz, der einst Olaf Scholz als 'Klempner der Macht' verspottete, sieht sich nun selbst mit ähnlicher Kritik konfrontiert. In Hintergrundgesprächen für eine SPIEGEL-Titelgeschichte zweifeln selbst Vertraute an seiner Zukunft. Ausgerechnet in dieser Situation plant Merz einen Sommerurlaub mit bemerkenswerter Lektüre: die Enzyklika 'Magnifica humanitas' von Papst Leo zur künstlichen Intelligenz und Christoph Heins Roman 'Das Narrenschiff' – ein 750-seitiges Werk über die letzten Tage der DDR.

Der Kanzler und seine Kritiker

Merz’ politisches Umfeld beschreibt ihn als selbstgewiss, polternd und bisweilen entkoppelt von der eigenen Partei. Die CDU ringt mit ihrem Kanzler, und nach den Landtagswahlen im Herbst droht eine Palastrevolte. Dass Merz in dieser Lage zu anspruchsvoller Lektüre greift, überrascht Beobachter. Die 'Frankfurter Allgemeine' berichtete zuerst über seine Urlaubsplanung: Neben Papieren zum EU-Haushalt liegen auf seinem Schreibtisch die beiden Bücher.

Was Merz von den Büchern lernen könnte

Heins Roman 'Das Narrenschiff' erzählt von drei Männern in den letzten Tagen der DDR, die zwischen Anpassung und innerem Widerstand oszillieren. Die Enzyklika 'Magnifica humanitas' des Papstes verteidigt in klaren Worten die Menschenwürde gegenüber der KI-Entwicklung. Merz könnte aus beiden Werken Lehren für seine eigene Lage ziehen: Wie man Systemkritik aushält und dennoch handelt? Oder wie man dem Vorwurf der Überheblichkeit begegnet? Sein Vorgänger Scholz, bekannter Vielleser, hätte beide Bücher wohl schnell erschlossen – Merz braucht dafür womöglich mehrere Wochen. Fraglich nur, ob er dann noch Kanzler ist.

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