Trump als KI-Sheriff: Europas Abhängigkeit und neue Fluggastrechte
Trump als KI-Sheriff: Europas Abhängigkeit

Die Lage am Abend: Trump spielt KI-Sheriff

Von Angela Gruber

1. Dieser KI-Bann zeigt Europas Verletzlichkeit

Die leistungsfähigsten KI-Modelle der Welt sind für Nutzer weltweit plötzlich gesperrt. Ausgelöst hat das ein Streit zwischen dem KI-Unternehmen Anthropic und Donald Trumps Regierung. Eigentlich hatte das US-Handelsministerium einen Exportbann für Ausländer verhängt, wegen Sicherheitsbedenken bezüglich Anthropics neuester Modelle. Das Unternehmen sah sich allerdings mit dem sofortigen Staatsbürgerschaftscheck überfordert und nahm die Systeme komplett vom Netz, für alle.

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Die Brisanz geht weit über den konkreten Bann hinaus: Der Fall zeigt, wie rücksichtslos die USA KI-Kontrolle als nationale Machtfrage auslegen. Dabei schreckt Trump offenbar nicht davor zurück, auch den USA als Innovationsstandort einen Dämpfer zu verpassen – obwohl die globale Vorherrschaft im KI-Wettrennen sein erklärtes Ziel ist. Aber es muss offenbar auf Teufel komm raus nach Trumps Vorstellungen gehen. Er beharkt sich schon länger mit Anthropic.

Deutschland und Europa führt Trumps Techsperre vor Augen, wie abhängig – und abgehängt – man im Digitalen ist. Zwar ist schon seit dem Zollstreit von der Forderung nach mehr digitaler Souveränität zu hören. Europa appelliert, bekundet Willen und feiert kleine Erfolge. Wer wirklich stark ist, muss das nicht so laut betonen. Trump kann dem Rest der Welt zumindest kurzzeitig einfach den KI-Hahn zudrehen. Und Deutschland schaut in die Röhre.

Auch wenn’s ziemlich düster aussieht, macht mir die Lage doch Hoffnung, zumindest ein bisschen: KI braucht verlässliche, kluge staatliche Regeln. Das müssen nun auch die Unternehmen einsehen, die schnell und ohne lästige Auflagen wachsen wollen. Wenn das mal keine Chance für uns Europäer ist.

2. Urteil gegen Norwegens „Bonusprins“

Ein Gericht in Oslo hat den Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, verurteilt. Insgesamt gab es 40 Anklagepunkte. Vier Jahre soll Høiby nun in Haft, wegen zweifacher Vergewaltigung und Körperverletzung. Seine Anwälte kündigten nach dem Urteil Berufung an.

Auch wenn Høiby, 29, formell nicht dem norwegischen Königshaus angehört, habe das Verfahren gegen ihn im Land zu vielen Diskussionen über die Monarchie geführt, sagt mein Kollege Jan Petter. Er hat den Prozess seit Monaten verfolgt. „Der Høiby-Prozess hat gezeigt, dass Norwegens egalitäres Selbstbild längst nicht mehr der Wirklichkeit entspricht“, so Jan. Dennoch glaubt er: „Der Fall entzaubert die Königsfamilie, nicht aber das Bedürfnis nach ihr.“

Die Nachricht von der schweren Lungenkrankheit der Kronprinzessin habe etwa zu einer Welle der Solidarität geführt. Mette-Marit benötigt eine Spenderlunge, die Zahl der potenziellen Organspender ist seitdem in die Höhe geschnellt, so Jan. „Offensichtlich sehnen sich viele danach, das norwegische Selbstbild zu bestätigen: Wir nehmen uns zurück, wir stehen zusammen, und wir helfen einander in der Not.“

3. Neue Regeln fürs Fliegen

Steigen Sie für Ihren Sommerurlaub auch mal ins Flugzeug? Dann könnte es Sie interessieren, wie die Reform der EU-Fluggastrechte ausgefallen ist. Kurz gesagt: recht erfreulich. Dass Reisende mehr Rechte bekommen, war dabei alles andere als ausgemacht. Im Raum hatte unter anderem auch gestanden, ob Flugreisende etwa bei Verspätungen deutlich weniger Entschädigung bekommen als bisher. Das ist aber nun vom Tisch.

Am Montag haben sich die EU-Staaten und das Europaparlament auf neue Regeln geeinigt. Wenn der Flieger am Ankunftsort mindestens drei Stunden verspätet ist, gibt es Entschädigungszahlungen wie bisher. Je nach Distanz zwischen 250 und 600 Euro. Vorausgesetzt, die Airline hat die Verspätung verschuldet. Bei den zulässigen Gründen soll fortan mehr Transparenz herrschen. Außergewöhnliche Umstände, bei denen die Airlines nicht zahlen müssen, werden künftig explizit aufgelistet: Blitzschlag, Vogelschlag, extremes Wetter zum Beispiel. Ausflüchte der Airlines sollen Kunden so leichter erkennen können.

Ein weiteres schönes Detail: Kinder sollen künftig im Flugzeug neben ihren Eltern sitzen dürfen, ohne dass Geld für die Sitzplatzreservierung fällig wird. Das gilt auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Für den Sommer 2026 greifen die Regeln noch nicht. Sie gelten ab Mitte Juni 2027.

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Was heute sonst noch wichtig ist

  • Zürich stimmt gegen Bestandsschutz für Parkplätze: Soll die Zahl der öffentlichen Parkplätze auf dem Stand von 2025 eingefroren werden? Dieser Idee erteilten die Zürcher am Sonntag eine Absage. Die Entscheidung dürfte auch in deutschen Städten interessieren.
  • Schauspielerin Anne Schedeen ist tot: Kate Tanner war die Rolle ihres Lebens, ohne sie hätte die Serie „Alf“ nicht funktioniert. Nun ist Anne Schedeen im Alter von 77 Jahren gestorben.
  • Neuer Bildungsbericht legt „zentrale Schwäche“ des Systems offen: Der Geburtenknick ist auch im Westen von Deutschland angekommen – das zeigt der nationale Bildungsbericht. Die Folgen werden Kitas und Schulen verändern. Gleichzeitig hängt schulischer Erfolg immer noch oft vom Elternhaus ab.
  • Streng erzogene Kinder schummeln häufiger: Wer seine Kinder zu ehrlichen Menschen erziehen will, sollte auf Verbote und Bestrafungen eher verzichten. Denn diese spornten Kinder umso mehr zu Lügen und Betrügereien an, fanden Forschende heraus.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Stürzt die Trump-Familie womöglich eine Regierung in Europa? Albanien will in die EU. Doch Tausende gehen gegen ein geplantes Luxusresort des Trump-Clans auf die Straße. Der Ministerpräsident hält an dem Projekt fest, viele Menschen wittern Korruption und fordern seinen Rücktritt.

Was heute weniger wichtig ist

Katy statt Kanada: Der kanadische Ex-Premier Justin Trudeau, 54, hat das WM-Auftaktspiel seiner Nationalmannschaft in Toronto geschwänzt. Mit seiner Freundin, Popstar Katy Perry, 41, besuchte er stattdessen das Spiel USA gegen Paraguay in Los Angeles. Perry hatte dort auch einen Bühnenauftritt. Auf der Plattform X reagierten manche Nutzer empört und nannten ihn „Verräter“. Trudeaus Verhalten sei „ein Schlag ins Gesicht dieses Landes“. Trudeau verteidigte sich gelassen: Manchmal riefen eben „die Boyfriend-Pflichten“.

Mini-Hohlspiegel

Aus der „Stadtpost Dietzenbach“ (Bad.-Württ.) Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons. Klaus Stuttmann

Und heute Abend?

Können Sie eine ungewöhnliche True-Crime-Ermittlung auf TikTok verfolgen. Die taugt auch als Link-Tipp an Jüngere für ein spannend erzähltes Gen-Z-Format. In der 13-teiligen Miniserie „Searching for Mr. Deepfakes“ sucht US-Techjournalistin Laurie Segall zusammen mit Paris Hilton nach dem mysteriösen Betreiber einer Internetseite, auf der ohne Zustimmung von Betroffenen mittels KI explizite Nacktbilder von Frauen erstellt werden. Falls Sie sich fragen, wieso Hotelerbin Hilton mitmischt: Der Promi ist selbst von dem Problem betroffen und setzt sich seit Jahren gegen diese Form der sexualisierten Gewalt ein.

Einen schönen Abend. Herzlich Ihre Angela Gruber, Autorin im Wirtschaftsressort