Die Deutsche Bahn muss künftig auf lukrativen Fernverkehrsstrecken einen erheblichen Teil ihrer Kapazitäten für Wettbewerber freigeben. Die Bundesnetzagentur hat entschieden, dass die Infrastrukturtochter DB InfraGo auf hochbelasteten Strecken zwischen 25 und 40 Prozent der Trassen an andere Unternehmen als die DB Fernverkehr vergeben muss. Dies geht aus einem veröffentlichten Beschluss der Regulierungsbehörde hervor.
Hintergrund und Ziele der Entscheidung
Die Behörde verspricht sich von mehr Wettbewerb auf der Schiene niedrigere Ticketpreise für Fahrgäste. Mit dem Beschluss kommt die Bundesnetzagentur einer zentralen Forderung des italienischen Zugunternehmens Italo nach, das für 2028 den Markteintritt in Deutschland plant. Italo beabsichtigt, zunächst die Strecken München–Frankfurt–Köln–Dortmund im Stundentakt sowie München–Berlin–Hamburg alle zwei Stunden zu bedienen – beides stark frequentierte und gewinnträchtige Verbindungen.
Der italienische Anbieter will dafür 30 Hochgeschwindigkeitszüge einsetzen und ab Frühjahr 2028 täglich 56 Zugverbindungen anbieten. Um diese Investition zu rechtfertigen, forderte Italo verbesserte Wettbewerbsbedingungen und rief die Bundesnetzagentur an, die die Aufsicht über die Trassenvergabe führt.
Wettbewerbsklausel als Garant für Marktzugang
Netzagentur-Chef Klaus Müller erklärte: „Wettbewerber der DB Fernverkehr wie Italo oder FlixTrain müssen viel Geld in neue Fahrzeuge investieren. Sie konnten bisher aber nicht verlässlich abschätzen, ob sie auf der Schiene genug Nutzungsrechte bekommen.“ Die nun eingeführte Wettbewerbsklausel solle dies ändern. „Sie garantiert ein Mindestmaß an Zugang für Wettbewerber im vertakteten Fernverkehr, ohne Kapazität für andere Verkehrsarten zu blockieren“, betonte Müller.
Wer in Deutschland einen Zug fahren will, benötigt eine sogenannte Trasse – eine bestimmte Strecke zu einer bestimmten Zeit. Diese werden von der DB InfraGo vergeben. Allerdings ist der Platz auf der Schiene begrenzt. Insbesondere an großen Knotenpunkten wie Hamburg, Berlin oder Köln stauen sich Züge, was zu den häufigen Verspätungen der Bahn beiträgt.
Marktdominanz der Deutschen Bahn
Der Fernverkehr wird bislang zu 95 Prozent vom bundeseigenen Konzern dominiert. Größter Wettbewerber ist das Münchner Unternehmen Flix mit seinen grünen Zügen. Die Bundesnetzagentur will nun erreichen, dass diese Konkurrenten mehr Platz auf den überlasteten Strecken erhalten.
Die Deutsche Bahn hatte zuletzt wiederholt vor einem solchen Eingriff in den Fernverkehrsmarkt gewarnt. Der Konzern verdient eigenen Angaben zufolge auf den umkämpften Schnellstrecken das Geld, mit dem er das Fernverkehrsangebot in weniger nachgefragten Regionen finanziert. Wenn die Bahn lukrative Trassen abgeben müsse, müssten Anbindungen in der Fläche gestrichen werden, argumentiert die Bahn. Diese würden auch nicht von Flix oder Italo bedient, die sich vor allem auf die Rennstrecken konzentrierten.



