Die Deutsche Bahn verabschiedet sich mit einer neuen Konzernstrategie von früheren Zielen wie der Verdopplung der Reisendenzahlen. „Wir konzentrieren uns radikal auf das, wofür wir da sind: auf Eisenbahn und das Reiseerlebnis der Kunden. Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen. Wir setzen auf realistische Ziele und Fakten“, sagte Bahnchefin Evelyn Palla einer Mitteilung zufolge. Die neue Konzernstrategie war zuvor Thema bei einem Treffen des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn am Mittwoch gewesen.
Drei Phasen des Umbaus
Demnach soll der Umbau des bundeseigenen Unternehmens in drei Phasen erfolgen. Die erste Phase umfasst das laufende Jahr, in dem die Grundlage für die Neuausrichtung gelegt werden soll. Von 2027 bis 2030 stehe vor allem die Sanierung des maroden Schienennetzes im Fokus. In der dritten Phase bis 2035 sollen Fahrgäste dann bereits deutliche Verbesserungen in der Qualität und Pünktlichkeit spüren, der „Sanierungsmarathon“ soll in dieser Phase abgeschlossen sein.
Stellenabbau und neue Führungsstruktur
Die Neuaufstellung sieht zudem eine radikale Verschlankung in der Zentrale und auf den Führungsebenen vor. Anfang des Jahres hieß es, dass von rund 3.500 Stellen in der sogenannten Konzernleitung rund 30 Prozent abgebaut werden sollen. „Ziel ist, in den nächsten Jahren eine leistungsfähige Bahn aufzubauen“, hieß es in der Mitteilung. Priorität haben dem bundeseigenen Konzern zufolge künftig Verlässlichkeit, nachgewiesene betriebliche Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit.
Pünktlichkeitsziele deutlich gesenkt
Im Vergleich zu früheren Jahren wurden etwa die Pünktlichkeitsziele deutlich heruntergeschraubt: Erst in den 2030er Jahren strebt der Konzern wieder eine Fernverkehrspünktlichkeit von 80 Prozent und mehr an. „Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen“, betonte Bahn-Chefin Evelyn Palla.
Krise und Fahrgastzahlen
Die Bahn steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Schlechte Pünktlichkeitswerte und eine marode Infrastruktur haben zu viel Frust bei Fahrgästen und in der Branche geführt. Gleichzeitig steigen die Fahrgastzahlen – das Interesse an Bahnreisen ist also eigentlich groß. Palla hatte bereits kurz nach ihrem Start als Vorstandsvorsitzende der DB angekündigt, dass sie einen tiefgreifenden Konzernumbau anstrebe.
Dezentralisierung und Ergebnisziele
Bereits bekannt ist, dass sie den regionalen Managerinnen und Managern mehr Verantwortung geben möchte. Sie sind künftig für die Qualität des Verkehrs verantwortlich und sollen dafür sorgen, dass die Kennzahlen eingehalten werden. Eine zentrale, koordinierende Steuerungseinheit soll es zwar noch geben. Wie die regionalen Einheiten die Ziele aber erreichen, bleibt ihnen überlassen. Laut Mitteilung will die Deutsche Bahn im laufenden Jahr erstmals seit Jahren ein positives Ergebnis nach Steuern erreichen. „Die DB erwartet, dass sich das operative Ergebnis des Konzerns bis 2030 um über 1 Milliarde Euro auf 1,7 Milliarden Euro verbessert“, teilte sie mit.



