Seit Oktober 2025 ist Evelyn Palla (52) Chefin der Deutschen Bahn. Ihr Auftrag: den krisengeplagten Staatskonzern grundlegend umzukrempeln. Die gebürtige Südtirolerin, die intern längst den Spitznamen „Die Aufräumerin“ trägt, liefert. Während ihre Vorgänger jahrelang nur redeten, schafft sie in Rekordzeit Fakten – mit einem harten Kurs gegen Gewalt, Schmutz und überbordende Bürokratie.
Alkoholverbot an allen 5400 Bahnhöfen
Der Auslöser für die jüngste Maßnahme war eine Gewalttat auf der Strecke Offenburg–Karlsruhe: Ein alkoholisierter Reisender stieß einen Bahnmitarbeiter aus dem fahrenden Zug. Palla reagierte sofort. Ab dem 15. Oktober 2026 gilt ein striktes Alkoholverbot an sämtlichen 5400 Bahnhöfen. Wer außerhalb der Gastronomiebetriebe im Bahnhofsgebäude oder am Bahnsteig Alkohol trinkt, wird des Bahnhofs verwiesen.
Sicherheitsoffensive mit 500 neuen Kräften
Parallel dazu hat die Bahn eine Sicherheits- und Putzoffensive gestartet. 500 neue Sicherheitskräfte wurden eingestellt. An 35 Kriminalitäts-Brennpunkten tragen die DB-Sicherheitskräfte jetzt Bodycams. An 1400 Bahnhöfen sorgen zusätzliche Reinigungstrupps für Sauberkeit. In den ICEs reinigen 220 neue „Unterwegsreiniger“ die Waggons und WCs während der Fahrt. „Unsere Fahrgäste haben ein Recht auf Sicherheit und Sauberkeit“, sagte Palla bei der Vorstellung der Maßnahmen.
Radikaler Personalabbau im Management
Auch in der eigenen Chefetage räumt Palla auf. Etliche Topmanager mussten gehen. Die Zahl der Bereichsleiter unter dem Vorstand wurde von 43 auf 22 reduziert. Sogar Vorstände mussten den Konzern verlassen – wenn auch mit Abfindungen in Millionenhöhe. Mehr als 1000 Jobs wurden allein im Berliner Bahntower gestrichen. Der Mega-Umbau soll ab 2028 rund 500 Millionen Euro Einsparung pro Jahr bringen. Palla will die Bahn bereits 2026 wieder in Richtung „schwarze Null“ steuern.
Baustellen bleiben: Pünktlichkeit und Stuttgart 21
Trotz der Erfolge hat Palla noch viele Baustellen. Die Pünktlichkeit liegt weiterhin zwischen 50 und 60 Prozent – auf einigen Strecken sogar deutlich darunter. Die geplanten Streckensanierungen verzögern sich, und die Fahrgastinformation soll endlich besser werden. Besonders schmerzhaft: Die Fertigstellung des Milliardenprojekts Stuttgart 21 wurde kürzlich offiziell auf Ende 2031 verschoben. Die Baukosten des Bahnhofsprojektes explodieren ungebremst. „Stuttgart 21 bleibt eine riesige Herausforderung“, räumte Palla ein. „Wir müssen die Kosten in den Griff bekommen und die Fahrgäste endlich verlässlich informieren.“



