Bosbach: Spahns Leihmutterschaft ist politisch fatal
Der frühere CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hat die Entscheidung von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU), sein Kind mit Hilfe einer Leihmutter in den USA zu bekommen, als „politisch hochproblematisch“ bezeichnet. Im Deutschlandfunk sagte Bosbach: „Wir als Politiker, wir machen die Regeln und wir verlangen von oder erwarten von 84 Millionen Menschen, dass sie sich an diese Regeln halten. Wenn auch nur der Eindruck entsteht, generell ja, aber für mich persönlich gilt das nicht, dann ist das fatal.“
Gefahr für das Vertrauen in die Politik
Bosbach warnte davor, dass der Eindruck entstehen könne, „man muss nur genug Geld haben, dann kann man in den USA über eine Agentur per Leihmutterschaft sich ein Kind besorgen“. Die Politik habe in den vergangenen Jahren ohnehin gewaltig an Vertrauen in der Bevölkerung verloren, sagte der frühere stellvertretende Unionsfraktionschef. „Der Graben zwischen Gewählten und Wählern ist immer größer geworden und das liefert jetzt einen weiteren Beitrag.“
Heuchelei oder Doppelmoral?
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte das Baby zur Welt. Die Kritik ist deshalb so laut, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich Spahns Partei gegen eine Legalisierung ausspricht, so wie in der Vergangenheit auch Spahn selbst. Bosbach sagte, er erhebe keine Vorwürfe wie Heuchelei oder Doppelmoral, weil er als dreifacher Vater wisse, wie wunderbar es sei, Kinder zu haben. „Ich kann das alles menschlich nachvollziehen, aber es ist politisch fatal.“
Spahn hätte Haltung ändern sollen
Bosbach ergänzte: „Ich hätte noch Respekt gehabt, wenn Jens Spahn gesagt hätte: 'Ich ändere meine Haltung. Ich sehe das jetzt als Betroffener völlig anders. Ich kämpfe dafür, in der Union oder im Bundestag, dass wir die Regelungen ändern.' Aber gut, wenn er es so sieht, dann muss er aufstehen und es sagen.“ Mit Blick auf Spahns Zukunft als Unionsfraktionschef sagte Bosbach, der bis 2017 für die CDU im Bundestag saß: „Ich hoffe, Jens Spahn erspart der Union, insbesondere der CDU, eine monatelange Debatte über die Frage: Ist er noch der Richtige an der Spitze der Fraktion? Aber die Erkenntnis muss bei Jens Spahn selber reifen.“ Es gehe um den Fortbestand der Union, die sich in einer schwierigen Lage befinde.



