Andy Burnham ist zum neuen Vorsitzenden der britischen Labour-Partei ernannt worden. Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester soll am Montag von König Charles III. zum Premierminister ernannt werden und tritt damit die Nachfolge von Keir Starmer an, der im Juni seinen Rücktritt erklärt hatte. Burnham war der einzige Kandidat und gilt als großer Hoffnungsträger der Partei, die tiefe Regierungskrise zu beenden.
Burnham verspricht grundlegenden Wandel
In einem vorab veröffentlichten Redemanuskript kündigte Burnham an, eine Regierung zu bilden, die „den Mut hat, die großen Dinge in Ordnung zu bringen, die die Politik vernachlässigt hat“. Labour müsse den Menschen in ganz Großbritannien „die Hoffnung geben, dass wir dieses Land zum Besten machen werden, das es sein kann“. Er kritisierte, dass Großbritannien in den 1980er Jahren „eine Reihe falscher Abzweigungen genommen“ habe, als die politische Macht zentralisiert und die wirtschaftliche Macht privatisiert worden sei. Burnham verspricht einen neuen Weg, der sich von den vergangenen 40 Jahren unterscheidet, und will die sozialdemokratische Partei zu ihren Wurzeln zurückführen.
Hintergrund: Starmers Scheitern und die Krise der Labour-Partei
Burnhams Vorgänger Keir Starmer war gut zwei Jahre nach seinem großen Wahlsieg mit Labour im Sommer 2024 dramatisch gescheitert. Unter dem Kostendruck der Kriege in der Ukraine und in Nahost sowie unter dem Druck der Rechtspopulisten hatte Starmer etliche Entscheidungen getroffen, die dem eigentlichen sozialen Labour-Kern widersprachen. Mitentscheidend für sein Scheitern war die dramatische Niederlage bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai zugunsten der rechtspopulistischen Partei Reform UK, die in Umfragen landesweit teils deutlich führt. Burnham soll nun für Labour die Wende herbeiführen. Der frühere Minister, der bereits von 2001 bis 2017 im Parlament saß, gilt als charismatischer als sein Vorgänger.
Burnham: Ein Premierminister für alle
Burnham verspricht, dass Labour unter seiner Führung geeinter sein werde, sich auf praktische Lösungen statt auf interne Spaltungen konzentrieren und offener für die Zusammenarbeit mit anderen Parteien sein werde. Er werde sich verpflichten, ein Premier „für den Norden und den Süden, für Schottland, für Wales und für Nordirland sowie für jede Kleinstadt und jede Großstadt in jeder Nation und Region dieses großen Landes“ zu sein. Die Ernennung zum Premierminister erfolgt am Montag durch König Charles III., der Burnham offiziell mit der Regierungsbildung beauftragen wird. Dann werden auch die Ministerposten vergeben. Burnham wird der siebte Regierungschef innerhalb von zehn Jahren.



