Der Aufstellungsparteitag der nordrhein-westfälischen AfD in Marl ist am Freitag von schweren Tumulten und gegenseitigen Beschimpfungen geprägt gewesen. Vertreter des Lagers um die Bundesvorsitzende Alice Weidel verließen unter Protest den Saal, nachdem ein Antrag auf Abbruch des Parteitags gescheitert war. Dies nutzte der Landesvorsitzende Martin Vincentz, um im Eiltempo Kandidaten aus den eigenen Reihen auf die Landesliste für die Landtagswahl 2027 zu setzen.
Antrag auf Abbruch gescheitert
Der stellvertretende Landesvorsitzende Christian Zaum hatte offiziell den Abbruch des Parteitags beantragt und sprach von einem „Parteitag der Schande“. Vincentz konterte, ein Abbruch könnte schwerwiegende Folgen für die AfD bei der Landtagswahl haben. Er forderte die Fortsetzung und sagte: „Selbst für den Fall, dass mich das meinen Kopf als Landessprecher kostet.“ Die Delegierten stimmten mit großer Mehrheit gegen den Abbruch. Auch ein Antrag auf eine Pause bis Samstag fand keine Mehrheit.
Weidel-Lager verlässt Saal
Daraufhin verließ das Lager um Alice Weidel unter Protest den Saal und nahm keinen weiteren Einfluss auf die Kandidatenaufstellung. Vincentz nutzte die Gelegenheit und benannte einen Kandidaten nach dem anderen. Bis zum Listenplatz 34 stehen nun alle Kandidaten ohne Gegenstimmen fest. Der Machtkampf zwischen den beiden Lagern war bereits am vorherigen Wochenende eskaliert. Eine Gruppe namens „Operation Filibuster“ hatte mehr als 90 Kandidaten für den Listenplatz 22 nominiert, was Vincentz als „Sabotage“ bezeichnete.
Auswirkungen auf die Landtagswahl
Die Bundesspitze der AfD hatte Vincentz zuvor aufgefordert, die Aufstellung der Landesliste abzubrechen und neu zu beginnen. Vincentz sieht durch den Abbruch die Wahlchancen gefährdet. Der Parteitag in Marl war von Beginn an von Spannungen geprägt. Die endgültige Liste soll nun am Samstag komplettiert werden. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen findet im kommenden Jahr statt.



