Omas gegen Rechts in Halle: Warum der Protest gegen Rechtsextremismus jetzt wächst
Omas gegen Rechts in Halle: Warum der Protest gegen Rechtsextremismus jetzt wächst

Seit Januar 2024 gehen bundesweit Hunderttausende gegen Rechtsextremismus auf die Straße – ausgelöst durch Recherchen des Netzwerks Correctiv. Auch in Halle demonstrierten zahlreiche Menschen für Demokratie. Die „Omas gegen Rechts“ in Halle verzeichnen seither neuen Zulauf. Sabine F., Mitglied der Gruppe, sagt: „Es war einfach nur beeindruckend. Mit so vielen Menschen habe ich überhaupt nicht gerechnet.“

Die Ortsgruppe der „Omas gegen Rechts“ in Halle besteht seit 2019 und zählt rund 25 aktive Mitglieder. Durch die aktuellen Proteste kamen mehrere Interessentinnen hinzu. Bundesweit gibt es laut den beiden Sprecherinnen Sabine F. und Sabine G. mehrere Neugründungen. Sabine G. erklärt: „Es ist einfach das Fass zum Überlaufen gekommen, dass so viele Leute jetzt auf die Straße gegangen sind.“

Die Initiative versteht sich als überparteilich und zivilgesellschaftlich. Sie setzt sich laut eigener Website ein für „eine demokratische, rechtsstaatlich organisierte, freie Gesellschaft“ und wendet sich gegen faschistische Tendenzen, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Ausgrenzung.

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Bei der Großdemonstration in Halle im Januar waren nach Polizeiangaben rund 16.000 Menschen. Einer von ihnen war Christian H., der erstmals seit den 1990er Jahren wieder demonstrierte – gemeinsam mit seiner Familie. Er sagt: „Ich nehme eine Radikalisierung wahr in dieser Gesellschaft. Keiner hört mehr zu, man redet nicht miteinander, sondern beschreit sich gegenseitig.“ Er sieht die Demokratie und eine friedliche Gesellschaft in Gefahr.

Eine Studie des Kölner Rheingold-Instituts vom Januar 2024 nennt als Motiv der Demonstrierenden vor allem ein „lange vermisstes, gesellschaftliches Wir-Gefühl“. Die Proteste helfen demnach, Ohnmachtsgefühle aus den Krisen der letzten Jahre zu überwinden. Der Soziologe Tobias Jaeck aus Halle verweist auf die sogenannte Poly-Krise aus Corona-Pandemie, Klimakrise und Ukraine-Krieg als Ursache für die gestiegene Protestbereitschaft.

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