Ab dem 1. Juli 2024 ist es soweit: Der Kölner Dom erhebt erstmals Eintrittsgebühren. Besucher des Innenraums des UNESCO-Weltkulturerbes zahlen dann grundsätzlich 12 Euro. Das Domkapitel hat jedoch ein gestaffeltes System mit zahlreichen Ausnahmen und Ermäßigungen vorgestellt.
Wer zahlt, wer ist befreit?
Kinder bis 13 Jahre und Menschen mit Schwerbehinderung sind vom Eintrittspreis ausgenommen. Auch Gottesdienstbesucher, Betende und Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins können den Dom über den Nordeingang kostenfrei betreten. Der Westeingang bleibt kostenpflichtig. „Der kostenfrei zugängliche Gebetsbereich ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Besuchskonzeptes. Der Kölner Dom bleibt auch künftig ein Gotteshaus, das Menschen für ihr Gebet und zur persönlichen Einkehr offensteht“, betont Markus Frädrich vom Domkapitel.
An bestimmten Tagen ist der Eintritt für alle kostenfrei: vom 6. Januar (Fest der Heiligen Drei Könige) bis zum darauffolgenden Sonntag, am 1. Mai (Tag der Arbeit), am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) sowie während der Dreikönigswallfahrt Ende September.
Ermäßigungen und Ticketkauf
Ermäßigungen zum halben Preis gelten für Schüler und deren Begleitpersonen, Studierende, Auszubildende sowie Menschen mit Sozialpässen in Nordrhein-Westfalen. Tickets sind online oder an einem Ticketschalter am Roncalliplatz 2 erhältlich.
Die Unterscheidung zwischen Touristen und Betenden erfolgt ohne „Gesinnungsprüfung“, wie Frädrich erklärt: „Unsere Aufsichtskräfte werden am Nordportal keine 'Gesinnungsprüfung' vornehmen: Jeder ist willkommen. Zugleich werden wir darauf achten, dass sich Besucherinnen und Besucher in diesem Bereich so respektvoll verhalten, wie es die Würde eines Gebets- und der Andachtsortes gebietet.“
Chaos oder Neuorientierung?
Dompropst Guido Assmann räumt ein, dass die Regelung ausgenutzt werden könnte: „Ja, die Gefahr besteht.“ Er schätzt, dass Touristen etwa 99 Prozent der Dom-Besucher ausmachen. Von einem chaotischen Start geht das Domkapitel nicht aus. „Von Chaos gehen wir nicht aus, aber von einer Phase der Neuorientierung“, so Frädrich. „Wir gehen davon aus, dass sich die neuen Abläufe zunächst einspielen müssen - sowohl für unsere Mitarbeitenden als auch für die Besucherinnen und Besucher. Wie bei jeder größeren Umstellung werden wir nach dem Start Erfahrungen sammeln und einzelne Abläufe gegebenenfalls nachjustieren.“
Seit dem 15. Juni gibt es ein Online-Ticketportal, das bereits genutzt wird. Mitarbeitende werden geschult und die Besucherführung angepasst.
Auswirkungen auf Besucherzahlen
Das Domkapitel erwartet, dass die Eintrittsregelung den Alltag im Dom spürbar beruhigen wird. „Die Besichtigungsgebühr kann dazu beitragen, den Dom wieder stärker als Gotteshaus und sakralen Raum erfahrbar zu machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir in einigen Jahren erkennen werden, dass sowohl der langfristige Erhalt der Kathedrale als auch ihre spirituelle Prägung von diesem Schritt profitiert haben“, so Assmann.
Bislang war der Innenraum kostenlos zugänglich, während für die Schatzkammer und den Aufstieg zur Aussichtsplattform bereits Eintritt (acht Euro) verlangt wurde. Das Domkapitel hatte mitgeteilt, dass seit 2019 sechs Jahre in Folge Minus gemacht worden sei. „Wir sind in die Situation gekommen, dass die Reserven des Kölner Doms auf absehbare Zeit aufgebraucht sind“, erklärte Domrendant Clemens van de Ven.
Debatte um Eintrittspreise
Die Einführung der Eintrittsgebühr hatte in Köln eine heftige Debatte ausgelöst. Befürworter verweisen auf andere Kathedralen wie die Sagrada Família in Barcelona (26 Euro) oder die St. Paul's-Kathedrale in London (31 Euro). Auch in Deutschland erheben Kirchen Eintritt: Der Berliner Dom kostet 15 Euro, die Sebaldus Kirche in Nürnberg 5 Euro. Gegenbeispiele sind Notre-Dame in Paris (kostenlos) und der Petersdom in Rom (kostenlos). Gegner der neuen Gebühr befürchten, dass der Dom seine Funktion als für alle zugängliches Herz der Stadt einbüßen könnte.



