Krankmeldung: Merz zur AU-Pflicht am ersten Tag – keine Praxis nötig
Krankmeldung: Merz zur AU-Pflicht – kein Arztbesuch nötig

Die schwarz-rote Koalition plant weitreichende Änderungen bei den Regeln für Krankschreibungen, um die hohen Krankenstände in den Unternehmen zu senken. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) verteidigte die Pläne als notwendigen Kompromiss, betonte aber die Bedeutung einer praktikablen Umsetzung. „Das müssen wir jetzt vernünftig gestalten, was da im Koalitionsausschuss vorgeschlagen wurde“, sagte Klingbeil bei RTL/ntv. Er verwies auf Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die bereits zugesichert habe, dass niemand, der krank sei, dann wirklich zum Arzt gehen müsse.

Geplante Änderungen: AU-Pflicht ab Tag eins und Ende der Telefon-Krankschreibung

Die Spitzen der schwarz-roten Koalition vereinbarten, die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen ohne Praxisbesuch abzuschaffen. Zudem soll die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) bereits am ersten Krankheitstag gesetzlich vorgeschrieben werden. Bisher greift diese Pflicht erst ab dem vierten Krankheitstag. Die Pläne stoßen auf Protest, unter anderem weil mehr Erkrankte künftig direkt in überlastete Praxen gehen müssten.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“: „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis. Sie müssen vom ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben.“ Eine nähere Erläuterung, wie dies ohne Arztbesuch möglich sein soll, blieb er zunächst schuldig. In der ARD verteidigte Merz die generellen Pläne mit dem Ziel, die hohen Krankenstände herunterzubringen.

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Ministerin Warken setzt auf Digitalisierung

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) rechtfertigte das geplante Aus von Krankschreibungen per Telefon. „Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass digitale Möglichkeiten wie Videosprechstunde mit dem behandelnden Hausarzt weiterhin möglich sind und verstärkt genutzt werden“, sagte sie der „Rheinischen Post“. Ziel sei eine Regelung, „die Missbrauch unterbindet und gleichzeitig dem Ziel folgt, für den Einstieg in die Versorgung deutlich stärker auf Digitalisierung zu setzen“. Demnach sollen Videosprechstunden als Alternative zur telefonischen Krankschreibung erhalten bleiben.

Vizekanzler Klingbeil betonte: „Ich will auch nicht, dass Menschen sich krank zur Arbeit schleppen. Ich will auch, dass die Ärzte vernünftig ihren Job machen können.“ Er verwies darauf, dass es nun auf die konkrete Gesetzgebung ankomme, um die Balance zwischen Missbrauchsbekämpfung und Entlastung der Praxen zu finden.

Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Ärzte

Die geplanten Änderungen könnten zu einer höheren Belastung der Arztpraxen führen, da mehr Patienten bereits am ersten Krankheitstag eine AU benötigen. Gleichzeitig soll die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung den Missbrauch eindämmen. Kritiker befürchten jedoch, dass Erkrankte gezwungen sein könnten, sich krank zur Arbeit zu schleppen, wenn sie keinen Arzttermin erhalten. Die Koalition will die Regelungen im Laufe des Jahres gesetzlich verankern.

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