Linke in Berlin erstmals auf Platz 1 – ein Kommentar zur Stimmung
Linke in Berlin auf Platz 1 – Kommentar zur Stimmung

Erstmals liegt die Linke in Berlin mit 20 Prozent in den Umfragen auf Platz 1 – eine Momentaufnahme im Abgeordnetenhauswahlkampf, die jedoch an die Bürgermeisterwahl in New York erinnert, wo der Linke Zohran Mamdani im November 2025 gewann. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kann mit dieser Entwicklung nicht zufrieden sein, wie ein Kommentar von Chefredakteur Peter Schink analysiert.

Mietenthema als sozialer Sprengstoff

Die Linke hat mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp, die den Berlinern zuvor weitgehend unbekannt war, das Thema Mieten frühzeitig besetzt. In der Hauptstadt hat dieses Thema mehr sozialen Sprengstoff als jedes andere. Bislang hat keine Partei ein veritables Konzept gefunden, um dem Mangel an Wohnraum und den explodierenden Preisen bei Neuvermietungen effektiv zu begegnen. Wer in Berlin eine neue Wohnung braucht, ist verloren. In den Umfragen dominiert das Mietenthema weit vor Bildung, Verkehr oder Sicherheit.

Die Linke setzt auf Enteignung, Mietendeckel und sozialen Wohnungsbau. Experten kritisieren viele dieser einfachen Antworten als nicht umsetzbar – sie seien zu teuer, juristisch mit vielen Unwägbarkeiten behaftet oder schlicht ineffektiv. Dennoch wirken die Konzepte der anderen Parteien auf die Menschen wie ein Abklatsch der radikalen Ansätze. Die Stimmung spült Elif Eralp an die Spitze, nicht einmal die Antisemitismus-Vorwürfe gegen ihre Partei schaden ihr derzeit.

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Wegner hat die Stimmung unterschätzt

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat dieser Stimmung wenig entgegenzusetzen. Es hilft nicht, auf Erfolge zu verweisen. Die Menschen wollen wissen, was sie künftig zu erwarten haben. Vier von fünf Menschen in der Stadt bewerten die Arbeit des Senats negativ. Wenn nun auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Enteignungen auf Länderebene per Gesetz verbieten will, wird das in Berlin auf dem linken politischen Flügel zu einer Trotzreaktion führen. Der Volksentscheid zur Enteignung großer Wohnungskonzerne fand in Berlin bereits eine Mehrheit.

Im Plenum des Abgeordnetenhauses frohlockte Eralp gestern: „Es ist richtig, dass wir die Mietenfrage ins Zentrum gerückt haben“, sagte sie in der Aktuellen Stunde. Zweieinhalb Monate sind es noch bis zur Wahl am 20. September 2026. Es könnte so kommen wie in New York.

Weitere wichtige Themen des Tages

Berlins Wohnungsgenossenschaften führen den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner heute durch ausgewählte Genossenschaftsprojekte, begleitet von Finanzsenator Stefan Evers (CDU) und Bausenator Christian Gaebler (SPD). Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg beschäftigt sich mit Rückforderungen der Investitionsbank Brandenburg von Corona-Soforthilfen – drei Kläger wehren sich, das Urteil wird Signalwirkung auf ähnliche Fälle in Berlin haben. Die traditionsreiche Berliner Schnapsmanufaktur Mampe bekommt ein Museum, das 200 Jahre Geschichte erzählt. Am Abend wird im Haus der Kulturen der Welt der Internationale Literaturpreis 2026 vergeben.

Die Hitze am vergangenen Wochenende führte an mehreren Stellen in der Stadt zu Stromausfällen. Jetzt ist klar, warum: Es fehlt an Resilienz und Kommunikation. Im April starben im Schäfersee in Reinickendorf hunderte Karpfen – eine überraschende Erklärung liegt vor. Im Berliner Norden gilt derzeit erhöhte Wachsamkeit wegen eines aggressiven Fuchses, der allein im Juni sechs Hunde angegriffen hat.

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