Das Versprechen von Friedrich Merz, die Empfehlungen zur Rentenreform eins zu eins umzusetzen, könnte man als Hoffnungszeichen für den Kanzler werten. Doch auf dem Tag der Deutschen Industrie fiel der Applaus der Wirtschaftsvertreter eher verhalten aus. Nicht so kühl und zurückhaltend wie im Mai beim Wirtschaftsrat der Union, aber auf dem Applausometer blieb der Zeiger bei der Industrie eher bei einem freundlichen, warmen Mitleidsbeifall stehen. Nur an einer Stelle brandete Beifall auf.
Schallplatte mit Sprung: Merz' wiederkehrende Botschaft
Dass der Kanzler die 33 Empfehlungen der Rentenkommission insgeheim als Möglichkeit für einen Neustart seiner Koalition werten dürfte, ist das eine. Doch die Wirtschaftsvertreter hörten eine Kanzlerrede, die sich wie so oft wie eine Schallplatte mit einem Sprung anhörte. Zuerst ging es um die außen- und handelspolitischen Erfolge, die aber nur indirekt im Geldbeutel der Bürger und Unternehmer landen. Dann kamen „Lichtblicke“ in seinem ersten Regierungsjahr, die niemanden vom Hocker rissen. Zum Schluss warb er dann um Verständnis für die Zwänge, in denen ein Kanzler in einer Koalition mit der SPD steckt.
Verhaltener Applaus trotz Rentenversprechen
Die Reaktion der Industrievertreter war gemischt. Zwar zeigten sie sich nicht so ablehnend wie beim Wirtschaftsrat der Union im Mai, doch der Applaus blieb verhalten. Nur an einer Stelle gab es kurzzeitig lauten Beifall, als Merz seine Rentenpläne skizzierte. Die 33 Empfehlungen der Rentenkommission könnten für ihn ein Hebel sein, um die Koalition zu stabilisieren, doch die Wirtschaft zweifelt an der Umsetzbarkeit.
Zukunft der Koalition: Alles könnte noch schlimmer werden
Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Koalitionszwänge noch schwieriger werden könnten. Merz' wiederholtes Werben um Verständnis für die Zusammenarbeit mit der SPD stößt bei den Industriellen auf wenig Gegenliebe. Die Rede offenbarte die strukturellen Probleme der Regierung: außenpolitische Erfolge, die nicht bei Bürgern und Unternehmen ankommen, und innenpolitische Lichtblicke, die kaum überzeugen. Die Frage bleibt, ob Merz seine Agenda gegen den Widerstand der SPD durchsetzen kann.



