Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat während einer Stadtratssitzung das N-Wort verwendet und damit Empörung ausgelöst. Reiter erklärte später, es handle sich um ein Zitat aus einem Stück des verstorbenen Künstlers Fredl Fesl, das ihm spontan über die Lippen gekommen sei. Er entschuldigte sich und betonte, es habe nicht in seiner Absicht gelegen, Menschen zu verletzen oder abzuwerten.
Das Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern kritisierte die Äußerung scharf. „Wenn ein Oberbürgermeister einen Begriff verwendet, den die Stadt selbst als rassistisch eingeordnet und geächtet hat, zeugt dies nicht nur von mangelndem Bewusstsein, sondern untergräbt auch die Glaubwürdigkeit der eigenen Beschlüsse“, sagte Modupe Laja vom Netzwerk. Die Organisation verwies auf den Stadtratsbeschluss von Februar 2022, der die Verwendung des N-Worts als rassistisch ächtet.
Reiter räumte ein, dass ihm der Beschluss bewusst sei, und schloss sich der Haltung an. Dennoch betonte das Netzwerk, dass eine nachträgliche Entschuldigung oder der Verweis auf einen Zitatkontext nicht aus der Verantwortung entlasse. Die Verwendung rassistischer Sprache sei gemäß der Geschäftsordnung als Störung des Sitzungsablaufs zu werten, und Ordnungsmaßnahmen müssten geprüft werden.
Die Kommunalwahlen in Bayern stehen am Sonntag an. Reiter, der mit 67 Jahren eine dritte Amtszeit anstrebt, geht als Favorit ins Rennen, stand zuletzt jedoch unter Druck. Er musste Versäumnisse bei seinem Engagement für den FC Bayern München einräumen, wo er nach Jahren im Verwaltungsbeirat nun in den Aufsichtsrat wechseln will.



