Rentenkommission empfiehlt Kapitalrente und längeres Arbeiten
Rentenkommission: Kapitalrente und längeres Arbeiten

Die Rentenkommission hat am Dienstag ihre 33 Empfehlungen an Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) überreicht. Merz gab dem Konzept prompt volle Rückendeckung: Der CDU-Chef will es zügig und komplett umsetzen. Sozialministerin Bas plant bereits konkrete Gesetzgebung nach der Sommerpause.

Kernpunkte der Empfehlungen

Das Dokument „Empfehlungen der Alterssicherungskommission“ umfasst 80 Seiten und enthält 30 zentrale Vorschläge. Zu den wichtigsten gehören die Abschaffung des abschlagsfreien Renteneintritts für besonders langjährig Versicherte (Rente mit 63) und die Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung. Die Kommission empfiehlt, dass sich Änderungen der Lebenserwartung im Verhältnis 2:1 auf Erwerbs- und Rentenphase aufteilen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einbeziehung von Minijobs in die gesetzliche Rentenversicherung ohne Opt-out-Möglichkeit. Der steuer- und sozialversicherungsrechtliche Sonderstatus von Minijobs soll abgeschafft werden, Ausnahmen nur noch für Schülerinnen und Schüler. Dadurch erübrigt sich auch die gesonderte Berechnung der beitragspflichtigen Einnahmen im Übergangsbereich (Midijobs).

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Einführung einer kapitalgedeckten Rente

Die Kommission empfiehlt die Einführung einer obligatorischen kapitalgedeckten Rentenkomponente im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Dazu sollen individuelle Kapitalkonten für Beitragszahlende eingerichtet werden. Empfohlen wird ein paritätisch finanzierter zusätzlicher Beitragssatz von zwei Prozent mit schrittweiser Einführung. Die Beiträge sollen nach schwedischem Vorbild zentral verwaltet und am Kapitalmarkt angelegt werden. Die Kapitalrente soll dazu beitragen, dass das Rentenniveau in der ersten Säule langfristig wieder spürbar ansteigt.

Kanzler Merz bezeichnete die Vorschläge als ausgewogenes Paket. Die Rentenreform sei „von allergrößter Bedeutung für den Wirtschaftsstandort und für die Gesellschaft“. Mit den Empfehlungen bleibe die Rente sicher, und die Lasten würden gerecht verteilt. Kern sei der Einstieg der gesetzlichen Rentenversicherung in den Kapitalmarkt. Zudem werde der Nachhaltigkeitsfaktor wieder eingeführt, nach dem die Renten langsamer steigen als die Löhne. Die einzelnen Maßnahmen bildeten ein Gesamtkonzept, das nur insgesamt umgesetzt werden könne.

Reaktionen und Ausblick

Bas betonte, die Kommission „habe abgeliefert“ und in Rekordzeit ein gutes Gesamtpaket vorgelegt. Man könne es nicht aufschnüren, es sei „ein Gesamtkunstwerk“. Auch sie hob den Kapitalstock hervor, der aufgebaut werden soll, um das Rentenniveau langfristig zu steigern. Zudem lobte sie das Zielbild einer Erwerbstätigenversicherung, an der alle beteiligt werden sollen. Auch auf soziale Härten solle geachtet werden: Ein Härtefallfonds und höhere Freibeträge für Geringverdiener sind vorgesehen.

Die Empfehlungen sehen weiter vor, dass die gesetzliche Rente langsamer steigen und an die künftige Lebenserwartung gekoppelt werden soll. Die Rente mit 63 in ihrer heutigen Form soll es nicht mehr geben. Erarbeitet wurde das Dokument von 13 Expertinnen und Experten, die im Dezember 2025 von der Bundesregierung benannt wurden. Geleitet wird die Kommission von Frank-Jürgen Weise, dem ehemaligen Vorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, und Constanze Janda, Professorin für Sozialrecht an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer.

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