Die Debatte über eine Lockerung der Ladenöffnungszeiten in Deutschland gewinnt an Fahrt. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Bundestags, Christian von Stetten (CDU), hat sich in der „Bild“-Zeitung für eine deutliche Ausweitung der bestehenden Regelungen ausgesprochen. Er verwies darauf, dass der Bund die gesetzlichen Vorgaben für die Sonntagsarbeit festlege, während die Länder über die Sonntagsöffnungen des Einzelhandels entscheiden. Aus seiner Sicht sollten die bisherigen Beschränkungen in beiden Bereichen großzügiger gefasst werden.
Unterstützung von der FDP
Die Forderung erhält auch vom FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki Unterstützung. Eine stärkere Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten sei „notwendig“, sagte er zu „Bild“. „Wer Läden zwangsweise geschlossen halten will, darf sich nicht über sterbende Innenstädte beschweren.“ Damit reiht sich Kubicki in die Riege der Befürworter einer Liberalisierung ein, die vor allem aus den Reihen von Union und FDP kommen.
Handel begrüßt Reform
Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, plädierte für eine grundlegende Abkehr vom bisherigen System. In der „Bild“-Zeitung verwies er auf andere europäische Staaten, in denen die Regeln für Sonntagsöffnungen bereits vor Jahren gelockert worden seien, und bezeichnete eine entsprechende Reform in Deutschland als überfällig. Der Handel erhofft sich von einer Liberalisierung mehr Flexibilität und eine Belebung der Innenstädte.
Gewerkschaften warnen vor Belastungen
Gegen eine weitgehende Liberalisierung regt sich jedoch Widerstand. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt im Kontext der Pläne der Bundesregierung, die zulässige Sonntagsarbeitszeit in Bäckereien auszuweiten, vor zusätzlichen Belastungen für die Beschäftigten. Längere Sonntagsdienste machten die Branche aus Sicht der Gewerkschaft weniger attraktiv und erschwerten die Gewinnung von Fachkräften. Die NGG betont, dass der Sonntag als arbeitsfreier Tag für die Erholung der Arbeitnehmer unverzichtbar sei.
Bäckerhandwerk unterstützt Lockerung
Das Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks unterstützt die geplante Lockerung dagegen. Die bislang geltende Begrenzung auf drei Stunden Sonntagsarbeit entspreche nicht mehr den heutigen Produktions- und Wettbewerbsbedingungen. Nach Darstellung des Verbands würde sich für Kundinnen und Kunden an den Öffnungszeiten der Bäckereien allerdings nichts ändern. Vielmehr gehe es darum, den Betrieben mehr Flexibilität bei der Produktion zu ermöglichen.
Kirchen warnen vor Aushöhlung des Sonntags
Kritik kommt zudem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ein Sprecher betonte, der arbeitsfreie Sonntag sei ein gesellschaftliches Gut, das Zeit für Familie, Freundschaften, Ehrenamt und Erholung schaffe – unabhängig von religiösen Überzeugungen. Auch die katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands (KAB) sprach sich gegen eine weitere Ausweitung der Sonntagsarbeit aus und bezeichnete den einkaufsfreien Sonntag als wichtigen Zeitraum für Erholung und psychische Regeneration.
Die Debatte um die Sonntagsöffnungszeiten ist nicht neu, erhält aber durch den Vorstoß des Wirtschaftsausschusses neuen Schwung. Während die Befürworter auf wirtschaftliche Vorteile und mehr Flexibilität verweisen, betonen die Gegner den Schutz der Arbeitnehmer und den gesellschaftlichen Wert des gemeinsamen freien Tages. Eine Entscheidung ist in den kommenden Monaten zu erwarten.



