Merz' bunter Bundesadler: Street-Art im Reichstag als politisches Statement
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat seinem Bundestagsbüro im Berliner Reichstag eine ungewöhnliche künstlerische Note verliehen. An der Wand hängt nun ein farbenfroher, wilder Bundesadler im Graffiti-Stil – ein Werk des Thüringer Künstler-Stars Marc Jung (40). Das als "Power Eagle" bekannte Pop-Art-Kunstwerk bildet einen bewussten Kontrast zum oft als grau empfundenen Berliner Politikalltag.
Persönliche Begegnung zwischen Kanzler und Künstler
Am Dienstag empfing Merz den Künstler persönlich in seinen Räumlichkeiten und zeigte sich sichtlich stolz auf das neue Kunstwerk. "Das ist ein starkes, ein kraftvolles Bild – auch weil der Künstler ein starker Typ ist", sagte der Bundeskanzler zu Jung. Der Kunstbeirat des Bundestages hatte das Graffiti-Werk bereits im Jahr 2025 für die parlamentseigene Artothek erworben, bevor es nun den Weg in Merz' Büro fand.
Kulturgeschichte der Kanzler-Adler im Vergleich
Die Wahl des Wandschmucks durch amtierende Bundeskanzler erzählt stets auch eine kleine Kulturgeschichte. Die Adler-Präferenzen der Vorgänger von Friedrich Merz zeigen dabei deutliche Unterschiede:
- Gerhard Schröder (81, SPD): Der ehemalige Kanzler (1998-2005) sorgte mit einem auf dem Kopf stehenden Adler des Malers Georg Baselitz (88) für einen handfesten Skandal. Viele sahen in der Darstellung eine Verunglimpfung des staatlichen Symbols.
- Helmut Kohl († 87, CDU): Während seiner Amtszeit von 1982 bis 1998 bevorzugte Kohl klassische, staatstragende Darstellungen. In seinem Büro hing meist der traditionelle Bundesadler als Bronzerelief oder Holzschnitzerei – für ihn ein Symbol deutscher Einheit und Stabilität.
- Angela Merkel (71, CDU): Die Kanzlerin von 2005 bis 2021 hielt es dezenter. In ihrem Büro dominierten Landschaftsbilder, während der Adler meist nur auf offiziellen Dokumenten oder der Standarte präsent war. Ein Emil-Nolde-Bild entfernte sie aufgrund der NS-Nähe des Künstlers wieder.
- Olaf Scholz (67, SPD): Sein Büro (2021-2025) war von nüchterner Sachlichkeit geprägt mit Architektur-Motiven. Ein dominanter Kunst-Adler wie bei Merz oder Schröder gehörte nicht zu seiner Einrichtung.
Der bunte "Power Eagle" von Marc Jung markiert somit einen deutlichen Stilbruch in der Tradition der Kanzler-Bürogestaltung und unterstreicht Merz' Affinität für moderne, kraftvolle Kunstformen.



