Bentele kritisiert mangelnde Frauenförderung in der CDU
Die CDU-Europaabgeordnete Hildegard Bentele hat der Parteispitze um Bundeskanzler Friedrich Merz vorgeworfen, Frauen in Führungspositionen zu wenig zu fördern. In einem Interview mit dem Tagesspiegel beklagte sie eine „Empathie- und Instinktlosigkeit“ sowie eine „mangelnde Bodenhaftung“ und „Kommunikationsschwäche“ der bisherigen Führung. Bentele betonte, dass die Union als Volkspartei besser aufgestellt sei, wenn mehr kompetente Frauen aus der zweiten Reihe in die erste Reihe geholt würden.
Kritik an Merz‘ Personalentscheidungen
Bentele verwies darauf, dass Kanzler Merz sich bei seinen engsten Beratern bisher für Männer entschieden habe. Auch die stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion seien fast ausschließlich Männer. „Im Konrad-Adenauer-Haus wurden gerade erst wieder viele Abteilungsleiterstellen nur mit Männern besetzt“, sagte sie. Sie forderte, dass die Parteiführung gezielt nach talentierten Frauen Ausschau halte, die aufrücken könnten.
Empathie und Instinkt in der Parteiarbeit
Als Beispiel für mangelnden Instinkt nannte Bentele die Debatte um Leihmutterschaft, bei der Jens Spahn nicht den Austausch mit der Frauen-Union gesucht habe. Sie betonte, dass die Union unterschiedliche Sichtweisen vereine – Junge Union, Frauen-Union, CDA, MIT, Klima-Union, Wirtschaftsrat – und dass diese Vielfalt in Programmen und Beschlüssen diskutiert werde. „Dafür sind Empathie und Instinkt notwendig, die man auch jenseits einschlägiger Männerzirkel erwirbt“, so Bentele.
Positive Beispiele und Forderungen
Als Positivbeispiel für Frauenförderung nannte Bentele den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther, der früh gezielt Frauen und jüngere Männer zu Staatssekretären gemacht habe. Sie forderte, dass Frauen in der Politik häufiger ermuntert werden müssten, Führungsaufgaben zu übernehmen, da sie sich dies oft nicht natürlich zutrauten. „Auch das ist Aufgabe einer Parteiführung“, sagte sie.
Kritik an der Kommunikation der Parteispitze
Bentele bemängelte auch die Kommunikationsschwäche der Führung, etwa bei der 1000-Euro-Prämie. „Da haben sich rechtschaffene Unternehmer und Mittelständler auch bei mir ohne Ende beschwert: Wie könnt ihr Erwartungen wecken, die andere bezahlen sollen?“, erklärte sie. Maßnahmen, die man nicht erklären könne, sollten das Kabinett nicht verlassen. Letztlich habe der Bundesrat das Ganze gestoppt.
Bentele äußerte sich auch zur möglichen Berufung von Nina Warken als Kanzleramtschefin. „Mit ihrer Erfahrung, Karriere und ihrem persönlichen Hintergrund würde sie bestimmt vieles von dem mitbringen, was ich mir für unsere Union wünsche“, sagte sie. Sie forderte, dass die Parteiführung oder Warken gezielt nach weiteren talentierten Frauen Ausschau halten sollten, die aufrücken könnten.



